Feuerwehren folgen Empfehlungen des Brandschutzbedarfsplans schneller als gedacht

Fünf Anträge auf Kooperation

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Immer komplexere Einsätze, schwindende Mitgliederzahlen und Probleme, im Berufsleben die Tagesbereitschaft zu gewährleisten, fordern die Feuerwehren aufs Äußerste: In der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf haben Verwaltung, Politik und Wehren die Zeichen erkannt und wollen sich mit Kooperationen für die Zukunft aufstellen.

Bad Bevensen/Ebstorf. Von solch einer Entwicklung hätte Hans-Jürgen Kammer nicht zu träumen gewagt: Standen die Feuerwehren der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf dem Brandschutzbedarfsplan zunächst noch skeptisch gegenüber, wird der Samtgemeindebürgermeister derzeit mit zahlreichen positiven Rückmeldungen konfrontiert.

Hans-Jürgen Kammer

Mehr noch: Gleich fünf Anträge liegen bei Hans-Jürgen Kammer auf dem Schreibtisch, wonach sich Feuerwehren Kooperationen mit Nachbarwehren wünschen. Und genau dieses Zusammenwirken der Wehren ist Kern des Brandschutzbedarfsplans.

Denn die Hälfte der insgesamt 40 Feuerwehren in der Samtgemeinde ist im Ernstfall nicht einsatzfähig – das hatte, wie berichtet, ein Gutachten von Manfred Fennen ergeben, der daraufhin den Brandschutzbedarfsplan entwickelt hatte. Um diese Situation in den Griff zu bekommen lautet aus seiner Sicht das Gebot der Stunde: Kooperationen zwischen den Wehren. In vielen Fällen wird die Zusammenarbeit außerdem Neubauten von Feuerwehrhäusern nach sich ziehen.

Nachdem es anfangs Kritik an den Plänen gegeben hat, erntet Hans-Jürgen Kammer jetzt viel Zustimmung – nicht nur auf den Jahreshauptversammlungen der Wehren, die gerade laufen. Besonders deutlich würden die Akzeptanz und das Verständnis durch die besagten Anträge, die nach und nach im Rathaus eingetrudelt sind. „Wir haben inzwischen neben dem Pilotprojekt Gollern-Röbbel-Hesebeck vier weitere schriftliche Anträge auf Kooperation von Feuerwehren vorliegen“, berichtet Kammer im AZ-Gespräch und räumt – irgendwo zwischen Überraschung und Freude – ein: „Das habe ich so nicht erwartet.“ Demnach wollen auch die Feuerwehren Jelmstorf und Seedorf, die Wehren Römstedt, Drögennottorf und Masbrock, die Wehren Hanstedt I, Bode und Allenbostel sowie die Feuerwehren Weste, Testorf und Hagen-Schlagte künftig zusammenarbeiten.

Viele der Wehren würden ohnehin schon im Alltagsgeschäft miteinander kooperieren, weiß Hans-Jürgen Kammer. Mit diesem nächsten Schritt würde die Zusammenarbeit also formal festgeschrieben werden. Der Samtgemeindebürgermeister betont, dass „eine Kooperation auf dem Papier“ jedoch nicht ausreichen werde.

Alle Wehren müssten Voraussetzungen und Perspektiven für eine Zusammenarbeit auch belegen.

Neubauten für die Kooperationen seien ebenfalls kein Automatismus. Auch Sanierungen oder Erweiterungen werden geprüft. „Wir werden uns jeden Einzelfall ansehen“, kündigt Kammer an. Als Nächstes sollen nun Gespräche mit den Wehren folgen, der Feuerwehr-Ausschuss der Samtgemeinde wird sich außerdem in seiner nächsten Sitzung mit den Anträgen befassen.

Kammer ist von der positiven Resonanz der Wehren auf den Brandschutzbedarfsplan überwältigt. Und sie versetzt ihn und die Politik in Zugzwang.

Jetzt ist der Spieß umgedreht.

Hans-Jürgen Kammer

„Jetzt ist der Spieß umgedreht“, schmunzelt der Samtgemeindebürgermeister, „wir haben den Feuerwehren den Spiegel vorgehalten, und die haben darauf reagiert. Jetzt sind wir gefordert und müssen auch tätig werden.“

Damit dies schnell geschehen kann, schwebt Hans-Jürgen Kammer anstelle der üblichen Ausschreibungsverfahren für Neubauten eine sogenannte Funktionsausschreibung vor. „Darin werden gewisse Kriterien wie Raumbedarfe und Qualitätsstandards ganz klar definiert“, sagt er. Auf dieser Grundlage werden dann nicht einzelne Gewerke, sondern Komplettangebote für neue Feuerwehrhäuser akquiriert, und zwar für gleich mehrere. Der Vorteil: Die Häuser könnten parallel gebaut werden, ohne jahrelange Wartezeiten. Außerdem könnte ein Generalunternehmer bei einer gewissen Anzahl von Neubauten auch die Baukosten günstig kalkulieren.

Wenn alle Fragen, auch die nach den genauen Standorten, geklärt seien, könnte möglicherweise in zwei Jahren mit den Neubauten begonnen werden. „Wenn sich das alles so umsetzen lässt“, sagt Hans-Jürgen Kammer, „dann ist der Brandschutzbedarfsplan eine Erfolgsgeschichte.“

Von Ines Bräutigam

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