Jäger müssen Wildschweinnachwuchs schießen, um Quoten zu erreichen

Frischlinge im Fadenkreuz

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Mit Kennerblick begutachteten die Gäste und Jäger die große Trophäenschau der Kreisjägerschaft im Kurhaus. 

Bad Bevensen/Landkreis. Die Kreisjägerschaft ist in Sorge: über Wolf, Afrikanische Schweinepest und die nur noch geringen Bestände beim Niederwild.

Auf der Hauptversammlung am Freitagabend im Kurhaus Bad Bevensen wählten die Jäger in unsicheren Zeiten Sicherheit: Der Vorstand wurde in seinen Ämtern einstimmig bestätigt.

Vorsitzender bleibt Nikolaus Walther, sein Stellvertreter ist wie bisher Karsten Meyer, Schatzmeister ist Dr. Matthias Freistedt und Schriftführerin Bettina Heukamp.

In seinem Jahresbericht forderte Walther von den großen Koalitionen in Hannover und Berlin Taten beim Thema Wolf – und ging ausführlich auf die geplante Modernisierung des Schießstandes der Kreisjägerschaft in Linden ein. Er begründete damit auch die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge zum 1. Januar 2019.

Walther warnte, ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest, die etwa aus Polen eingeschleppt werden kann, könne Milliardenkosten verursachen. Das Schwarzwild kann Träger der Krankheit sein. Walther rief die Jäger auf: „Wir müssen auch auf starke Bachen schießen, wenn sie nicht für die Frischlingsaufzucht notwendig sind.“ Kirsten Lühmann, SPD-Bundestagsabgeordnete, geht davon aus, dass die Schweinepest auch in Deutschland ausbrechen wird, das sei nicht zu verhindern. Sie sagte: „Ich weiß, es ist unschön, auch auf einen gestreiften Frischling zu schießen. Aber man muss auch in die Jugendklasse eingreifen. Das fordert Ihnen unheimlich viel ab.“

Zuvor hatte Kreisjägermeister Heinrich Hellbrügge in seinem Bericht deutlich gemacht, dass der Abschuss von 3791 Stück Schwarzwild 2017 nicht ausreiche. „Wir müssen Frischlinge schießen“, sagte Hellbrügge. Eine Quote von 80 Prozent müsse erreicht werden. „Je kleiner unsere Schwarzwildbestände, desto besser, wenn die Afrikanische Schweinepest kommt.“

Hellbrügge verwies auf den zu hohen Bestand der invasiven Arten wie Marderhund, Waschbär oder Nutria, die ein „Riesenproblem für Bodenbrüter und Niederwild sind. Die Fallenjagd muss intensiviert werden“, betonte der Kreisjägermeister. Unterdessen habe der Wolf das „Muffelwild zur Strecke gebracht. Es ist kein Bestand mehr vorhanden“.

Es war Landrat Dr. Heiko Blume, der den Jägern auch eine positive Nachricht überbrachte: Voraussichtlich noch im April werde der Kreistag die Abschaffung der Jagdsteuer zum 1. April 2019 beschließen.

Von Christian Holzgreve

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