Arbeitskreis plant naturnahe Umgestaltung in Natendorf und Barum / Konzept wird vorgestellt

Friedhöfe werden zum Wohlfühlort

Der Friedhof in Natendorf soll artenreicher und pflegeleichter umgestaltet werden (von links): Christine von Schnurbein, Renate Niemann und Gisela Jenckel-Paulini vom Arbeitskreis Friedhöfe.

Natendorf. Die Sonne brennt auf den Natendorfer Friedhof. Vertrockneter Rasen dehnt sich zwischen den Gräbern aus. Hinter dem letzten brausen Autos vorbei. „Hier fühle ich mich nicht wohl“, sagt Renate Niemann.

Muss das so sein? Muss der Rasen gestutzt werden, das Grab geharkt sein und der nadelige Lebensbaum über die Toten wachen? Eine Arbeitsgemeinschaft der Kirchengemeinde Barum-Natendorf hat Vorschläge für eine naturnahe und pflegeleichte Umgestaltung der beiden Friedhöfe erarbeitet. Vorgestellt wird das Konzept, anders als im Gemeindebrief angekündigt, am Freitag, 17. August, um 19 Uhr in der Natendorfer Kirche.

„Unser Ziel ist, dass die Menschen gern auf den Friedhof gehen“, sagt Kirchenvorstandsvorsitzende Gisela Jenckel-Paulini, die wie Renate Niemann in dem Arbeitskreis mitgearbeitet und sieben Schulungen besucht hat. Für den Wohlfühleffekt sollen Bänke sorgen, aber auch hohe Bäume, die Schatten werfen, und eine Hecke, die den Friedhof von der Straße abgrenzt und einen geschützten Raum schafft. Alte Grabsteine von ausgelaufenen Grabstellen sollen nicht verschwinden, sondern in einem Erinnerungshain aufgestellt werden.

Möglich macht das ein EU-Programm für biologische Artenvielfalt, über das zwei Drittel der Gesamtkosten von 90 000 Euro nach Barum und Natendorf fließen könnten. In diesem Rahmen sollen standortuntypische Nadelbäume gefällt, Laubbäume und Sträucher gepflanzt und Staudenbeete angelegt werden, die Lebensraum für Biene und Schmetterling bieten. Begonnen werden soll im Herbst. Bis 2022 ist Zeit für die Umsetzung. Bei der Pflege hofft der Arbeitskreis auf die Kirchenmitglieder.

Es geht dem Arbeitskreis nicht nur um die Natur. „Wir merken einen Rückgang der Bestattungen“, erklärt Renate Niemann. Immer häufiger entscheiden sich alte Menschen oder ihre Angehörigen für einen Waldfriedhof, sei es, weil sie die Nähe zur Natur bevorzugen oder weil sie die mühsame Pflege scheuen. Gleichzeitig fallen jedes Jahr 16 000 Euro für die Unterhaltung der beiden Friedhöfe an.

Ein Stück Waldfriedhof soll auf dem neuen Natendorfer Friedhof entstehen. In der Mitte sollen Bäume im Halbrund gepflanzt werden. Um sie herum können dann Urnengräber angelegt werden.

Auch für den Barumer Friedhof gibt es viele Ideen. So sollen Freiflächen mit Obstbäumen und Wildobst bepflanzt und eine Trockenmauer angelegt werden.

Allerdings sind nicht alle von den Ideen begeistert. Die Älteren befürchten, dass sie die Gräber ihrer Lieben nicht mehr wie gewohnt pflegen und bepflanzen können. Sie kann Renate Niemann beruhigen: „Das ist ganz freiwillig“, betont das Arbeitskreis-Mitglied.“ Wir legen aber Mustergräber an.“ Dank der Staudenbepflanzung sollen sie pflegeleicht sein. Sie werden von der Kirchengemeinde unterhalten.

Von Gerhard Sternitzke

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