Schutzengel für Pferde

Fragen & Antworten: Emmendorferin Michaela Klug gibt Einblicke in das Projekt der Freizeitreiter

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Michaela Klug (56), Landesvorsitzende des Verbands der Freizeitreiter (VFD), hat mit Ende 40 ihre Reitleidenschaft wiederentdeckt (hier mit Stute Betty). Die kaufmännische Angestellte, die in Emmendorf lebt, hält in Drögennottorf zwei Pferde.

Emmendorf – Pferdeschutzengel nennt der Verband der Freizeitreiter (VFD) seine neueste Aktion. Jugendliche sollen Missstände erkennen und Zivilcourage für die betroffenen Pferde zeigen.

AZ-Redakteur Gerhard Sternitzke sprach mit der Landesvorsitzenden Michaela Klug, die in Emmendorf lebt, über den Sinn der Aktion, über Missstände in der Pferdehaltung und im Pferdsport.

Frau Klug, Sie wollen Jugendliche als Schutzengel gewinnen. Mit Weihnachten hat das nichts zu tun, oder?

Klug: Nein, eher mit der Aktion Schutzengel im Straßenverkehr, die es vor ein paar Jahren gab. Junge Menschen sollen ausgebildet und sensibilisiert werden, um zu erkennen: Wann geht es dem Pferd gut und wann nicht? Das können sie nur, wenn sie eine entsprechende Ausbildung haben.

Was sollen die Jugendlichen genau tun?

Eigentlich nur die Augen aufhalten, wenn sie Missstände entdecken. Auch den Mut haben, was zu sagen und nicht darüber hinwegzusehen.

Schauen Erwachsene zu oft weg, wenn sie Missstände bei Pferdehaltern feststellen?

Ja, ich denke schon. Ich habe schon das Gefühl, dass in unserer Gesellschaft zu oft weggeschaut wird.

Sie sprechen von Zivilcourage, aber die Aufgabenbeschreibung klingt nach Denunziation.

Nein, auf keinen Fall. Uns ist wichtig, dass junge Menschen wissen: Was kann ich, wenn es dem Pferd schlecht geht, tun, damit das abgestellt wird?

Außenstehende beurteilen die Situation auf einer Pferdeweide oder in einem Stall häufig falsch. Wird Ihre Initiative nicht anständige Pferdehalter in Misskredit bringen?

Nein, das glaube ich nicht. Auf unserer Nachbarweide ist ein Pferd auf eine andere Wiese ausgebrochen, die nicht eingezäunt war. Dahinter verläuft eine Kreisstraße. Und meine kleine 13-jährige Reitbeteiligung hat den Besitzer informiert. Sie hat Zivilcourage bewiesen, hat erkannt: Hier muss ich handeln. Sie hat nicht angeprangert, sondern einfach informiert.

Welche Verstöße gegen den Tierschutz und artgerechte Haltung kommen besonders häufig vor?

Pferde sind soziale Tiere. Das Pferd muss in der Herde sein. Auch ein Pferd im Winter nur in der Box zu halten und nur mal eine halbe Stunde zu reiten, ist in meinen Augen keine richtige Haltung. Pferde sind Steppentiere, die müssen sich bewegen.

Häufig ist zeitliche oder finanzielle Überforderung im Spiel.

Ja, das ist das große Problem. Pferde halten, reiten und fahren sind ein sehr teures und zeitaufwendiges Hobby. Ich sage immer, meine Kreuzfahrt und mein Urlaub stehen auf der Wiese.

Wie kommen Vernachlässigungen zustande, obwohl Reiter doch ein ganz emotionales Verhältnis zu ihren Tieren haben?

Die Vernachlässigung besteht nicht bei dem Freizeitreiter. Die besteht eher bei Leuten, die versuchen, mit Pferden Geld zu verdienen, egal ob Züchter oder Profisportler. Ich hab’s bei einem Züchter erlebt, der seine Pferde bei 30 Grad vier Tage ohne Wasser auf einer Wiese stehen lassen hat.

Haben Sie auch die Sportreiter im Visier?

Ein großes Thema ist der Dressursport, das harte Abreiten auf den Turnierplätzen, die Rollkur.

Das Herunterbinden des Pferdekopfes.

Das findet nicht nur im hohen Sport statt, sondern geht schon auf Kreissportveranstaltungen los. Wenn Sie die Augen und Mäuler der Pferde auf großen Turnieren sehen, dann kann das nicht richtig sein. Auch da wäre es schön, wenn die jungen Menschen lernen würden, dass sie ihr Pferd auch anders ausbilden können. Dass es nicht durch die harte Schule gehen muss.

Ihr Verhältnis zu den Sportreitern ist nicht so gut?

Das würde ich so nicht sagen. Wir haben viele Mitglieder, die auch Sportreiter sind.

Aber über diese umstrittenen Erziehungsmethoden kommt es schon zum Konflikt?

Ja. Und da versuchen wir, Stellung zu beziehen.

Ist der Reitsport in seiner heutigen Form noch möglich?

Ich glaube schon. Es geht auch ohne Gewalt. Es gibt auch einige sehr gute Sportler, die das beweisen. Wir prangern nicht an, sondern suchen das Gespräch und leisten Aufklärungsarbeit.

Es hat sich auch einiges verbessert.

In den siebziger Jahren habe ich meine Ausbildung gemacht. Die Pferde waren angebunden. Das kennt heute keiner mehr. Offenställe gab’s gar nicht. Da hat sich schon eine Menge getan.

Mit den Schutzengeln verfolgen Sie aber auch ein pädagogisches Ziel.

Wir vom VFD möchten gern junge Menschen zu verantwortungsvollen Reitern, Fahrern und Pferdehaltern ausbilden.

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