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Forscher finden Schiffswrack der Endurance / „Bestätigung“ für Jahrmarkttheater Bostelwiebeck

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Das Wrack der Endurance.
Das Wrack der Endurance liegt in 3008 Metern Tiefe auf dem Grund des Weddellmeers. Es ist perfekt erhalten. © Falklands Maritime Heritage Trust and National Geographic

„Dies ist eine wahre Geschichte.“ Mit diesen Worten begann im vorigen Jahr die Premiere von „Patience Camp“ im Jahrmarkttheater Bostelwiebeck. Erzählt wurde die unglaubliche Geschichte des englischen Polarforschers Sir Ernest Shackleton, dessen Antarktis-Expedition grandios scheiterte und der doch alle 28 Besatzungsmitglieder lebend nach Hause brachte. Hätte es noch eines Beweises bedurft, so haben Wissenschaftler jetzt sein gesunkenes Schiff gefunden.

Bostelwiebeck – Der Schriftzug Endurance, auf Deutsch Ausdauer, mit einem großen goldenen Stern bedeckt noch das Heck des Segelschiffs, das 1915, zermalmt vom Packeis des Weddellmeers, sank. Das zeigen die Fotos der internationalen Forschungsexpedition, die zum hundertsten Todestag von Shackleton mit moderner Technik auf die Suche nach dem Wrack ging. Nach dreiwöchiger Suche mit autonomen Unterwasserfahrzeugen wurde das Team in exakt drei Kilometern und acht Metern Tiefe fündig.

„Als die Endurance gefunden wurde, haben wir gerade noch auf dem Meereis gearbeitet“, erzählt Wissenschaftlerin Stefanie Arndt vom beteiligten Alfred-Wegener-Institut. „Genau dort, wo auch Shackleton und seine Männer vor über 100 Jahren standen – ein Gänsehaut-Moment im Nachhinein.“

Wissenschaftler simulieren Eisdrift im November 1915

Anders als der Polarforscher nutzten die Wissenschaftler bei ihrer in Kapstadt gestarteten Mission moderne Computersimulationen, mit denen sie in jahrelanger Vorarbeit die Eisdrift im November 1915 nachbilden und den Ort des gesunkenen Schiffs eingrenzen konnten.

Das Wrack ist laut Alfred-Wegener-Institut perfekt erhalten. Es ist als historische Stätte und Denkmal im Rahmen des Antarktisvertrags geschützt. Es durfte während der Erkundungs- und Filmarbeiten in keiner Weise berührt oder gestört werden.

„Ich habe die ganzen Originalaufnahmen gesehen. Das Steuerrad, das Schiff kenne ich von den Bildern“, sagt Thomas Matschoß vom Jahrmarkttheater. Shackleton hatte die ganze Expedition mit der Kamera begleitet. Originalfotos wurden in dem Theaterstück gezeigt. „Dass es in 3000 Metern Tiefe liegt, ist rührend als Zeichen“, findet Matschoß. „Das haben wir uns nicht ausgedacht. Das Schiff ist wirklich untergegangen. Das ist eine Bestätigung.“

Neue Aktualität für das „Patience Camp“ des Jahrmarkttheaters

Ab 12. August ist eine Neuauflage von „Patience Camp“ geplant. Durch den Fund des Wracks und die Ereignisse in der Ukraine bekommt das Stück aus der Feder von Matschoß eine neue Aktualität. Während im Ersten Weltkrieg Millionen Menschen starben, überlebte Shackletons Mannschaft durch Kooperation. Zwischen Eisschollen, die durch weiße Luftkissen dargestellt werden, spielt die Mannschaft Fußball und Theater. Geduld, Patience, ist gefragt. „Wisst ihr, was wahrer Heldenmut ist?“, fragt Shackleton in dem Stück: „Optimismus.“

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