Forderung nach Anstand im Netz

BfB-Ratsherr wehrt sich gegen Verunglimpfung durch CDU-Ratsmitglied

+
In sozialen Netzwerken lassen die Nutzer häufig Respekt und Anstand fallen. In Bad Bevensen wurden Ratsmitglieder nach der Übertragung per Livestream als Idioten und Bekloppte bezeichnet.

Bad Bevensen – Verändern sich Menschen, wenn sie im Internet unterwegs sind? Oder lassen sie bei ihren Posts (Nachrichten) in sozialen Netzwerken nur die Maske von Respekt und Anstand fallen? Um den Umgang mit dem Andersdenkenden im Internetzeitalter ging es jetzt auf im Bevenser Stadtrat.

„Die Wortwahl der verschiedenen, auch anonymen Beiträge zeigt eine Verrohung der Sprache auf, die ich nicht für möglich gehalten hätte“, sagte Hans-Bernd Kaufmann in Bezug auf Meinungsäußerungen zur Wahl des Samtgemeindebürgermeisters in Bevensen-Ebstorf und der vorigen, per Livestream im Internet übertragenen Ratssitzung. „Redner der übertragenen Ratssitzung werden als Idioten und Bekloppte bezeichnet.“

Der Ratsherr der Bürger für Bad Bevensen (BfB) war auch selbst betroffen. Und der Schreiber war ebenfalls Ratsmitglied. Als „Dauerröchler“ hatte Jürgen Schliekau (CDU) den Ratskollegen tituliert. „Dieses Verhalten ist diskriminierend“, befand Kaufmann in einer persönlichen Erklärung. „Die Wortwahl erinnert an finsterste Zeiten deutscher Geschichte und hat mit menschlichem Anstand nichts zu tun.“

Schliekau bezog sich offenbar darauf, dass sich Kaufmann während einer Rede mehrfach geräuspert hatte, Folgen einer Stimmbandreizung. „Demokratie braucht den Streit in der Sache. Dabei dürfen die Menschlichkeit und die Achtung vor dem anderen nicht auf der Strecke bleiben“, forderte Kaufmann.

Die BfB stimmte wegen Schliekaus Äußerung den Ausschussbesetzungen, unter denen sich der CDU-Ratsherr befand, nicht zu. „Dass wir übereinander herfallen – ersetzt das den politischen Diskurs?“, fragte Brigitte-Susanne Hendel-Andabaka (BfB) und forderte: „Herr Schliekau, ziehen Sie Konsequenzen aus Ihrem Tun!“ „Solch eine Reaktion auf das Livestreaming finde ich unsäglich“, betonte auch Bürgermeister Martin Feller (Grüne). „Wir müssen mit Anstand miteinander umgehen.“

Schliekau zeigte sich zerknirscht wegen der in einem geschlossenen Forum geäußerten Verunglimpfung. „Für diesen Ausdruck entschuldige ich mich in aller Form“sagte Schliekau. „Das darf einfach nicht passieren. Ich bitte, dass Sie die Entschuldigung anzunehmen.“

VON GERHARD STERNITZKE

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare