BfB fordert stärkere Kontrolle der Kurgesellschafts-Finanzen / Uwe Winter nimmt Stellung

Kritik am „Rekorddefizit“

+
Durch besondere Angebote sollen künftig vor allem neue Gäste, die die Therme noch nicht kennen, auf Bad Bevensen aufmerksam gemacht werden.

Bad Bevensen. Das „Rekord-Jahresdefizit“ der Bad Bevenser Kurgesellschaft stößt auf starke Kritik der Fraktion Bürger für Bad Bevensen (BfB).

Der Jahresabschluss 2012 der Kurgesellschaft, der mit rund 1,7 Millionen Euro einen um 287 000 Euro höheren Fehlbetrag als im Vorjahr aufweist (die AZ berichtete), stelle das höchste Defizit seit Gründung der Kurgesellschaft dar.

„Bedenklich sind insbesondere die rückläufigen Besucherzahlen in der Jod-Sole-Therme, die um 4,1 Prozent auf 296 000 Besucher zurückgegangen sind“, kritisiert die BfB. Die Fraktion führt den Besucherrückgang auf veränderte Angebote, insbesondere Rabattaktionen der Kurgesellschaft zurück. Laut BfB betrage der durchschnittlich erzielte Einnahmeerlös pro Besucher 9,18 Euro. „Dies ist eindeutig zu gering“, so die Vertreter der BfB. Sie fordern den Aufsichtsrat und die Geschäftsführung der Gesellschaft auf, die Sondervergünstigungen zu überprüfen. Das dieses bereits geschieht, versichert Kurgesellschafts-Chef Uwe Winter auf AZ-Nachfrage. Zudem betont Winter: „Das Defizit ist nicht auf Rabatt-Aktionen zurückzuführen.“ 2012 sei lediglich – so wie im Vorjahr auch – ein zusätzlicher Feierabendrabatt im Sommer gewährt worden. „Damit haben wir in besucherschwachen Monaten Gäste gewonnen, die sonst gar nicht gekommen wären“, sagt der Geschäftsführer der Kurgesellschaft. Diesen „Feierabendtarif“ hätten 2700 Thermenbesucher gebucht. Um mit anderen Anbietern mithalten zu können, könne Bad Bevensen nicht auf Sonderangebote verzichten – „um Gästen, die unsere Therme noch nicht kennen, zu gewinnen“. Entstanden sei das Defizit, weil man nach dem Thermenumbau, der Ende 2011 abgeschlossen wurde, mit mehr Gästen kalkuliert hatte. Winter: „Das Problem ist doch, dass der Neubau nicht die Zahlen gebracht hat, wie gedacht.“ Außerdem sei die Zahl der Urlaubsgäste gestiegen, die der Tagesgäste aber nicht. Da die Urlaubsgäste aber in der Therme einen ermäßigten Eintritt zahlen, sanken im Verhältnis die Einnahmen.

Die BfB-Fraktion hinterfragt des weiteren die Höhe der Werbeaufwendungen, die im Etat der Kurgesellschaft mit 93 000 Euro aufgeführt wird. Uwe Winter hingegen macht deutlich: Eigentlich sei dieser Topf sogar knapp bemessen, denn aus diesem Posten würden nicht nur Werbeanzeigen, sondern unter anderem auch Preislisten (15 000 Euro) bezahlt. „Wenn wir über diesen Marketing-Etat auch auf dem Hamburger Markt angreifen wollen, müssen wir besondere Ideen haben und ganz genau kalkulieren, was wir wann machen“, betont Winter. Ein Gutachten über die Besucherpotenziale der Bad Bevenser Therme hatte ergeben, dass die Einrichtung bereits überdurchschnittlich viele Besucher aus der direkten Umgebung hat. Generiert werden können Gäste demnach unter anderem noch in Hamburg, Celle und dem Herzogtum Lauenburg.

Dass Bürgermeister Martin Feller (Grüne), wie berichtet, trotz des Defizits der Kurgesellschaft an eine Positiv-Entwicklung durch neue Angebote in der Therme glaubt, teilt die BfB nicht: „Bereits in der Vergangenheit haben die im Rat vertretenen Parteien SPD, WBB, Grüne und CDU eine völlige Fehleinschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung der Kurgesellschaft vorgenommen.“

Von Wiebke Brütt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare