Kritik an Verfahren: Beteiligung der Bevölkerung in der Urlaubszeit

Flusstal als Schutzgebiet

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Die Ilmenau ist Lebensraum für Libellen oder auch den Fischotter. Diese Tiere sollen auch künftig im und am Fluss zu finden sein. Der Landkreis hat eine Schutzverordnung erarbeitet. 

Uelzen/Bad Bevensen – Gunna und Hermann Benecke sind in Sorge. Sie leben von der Fischzucht. Bei Klein Hesebeck liegen die Teiche dafür – nicht in allzu weiter Ferne von der Ilmenau entfernt, für die der Landkreis Uelzen Pläne hat.

Für die zahlreichen Fischotter stellt der Fluss und seine angrenzenden Flächen Lebensraum dar.

Der Fluss und angrenzende Flächen sind Lebensräume für die Bachmuschel, für Libellen oder auch den Fischotter. Selten gewordene Auenwälder sind noch entlang des Wasserlaufes zu finden. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises spricht von einem „besonderen Wert des Naturraums“. Er soll erhalten bleiben, wenn möglich so gestaltet werden, dass er zur Heimat von noch mehr Pflanzen- und Tierarten wird. Die Kreisverwaltung hat deshalb für 950 Hektar an der Ilmenau, für den sogenannten Kernbereich, eine neue Schutzverordnung erarbeitet.

Die Vorschriften darin, so befürchten Gunna und Hermann Benecke, könnten womöglich zur Folge haben, dass ihre Fischzucht darunter leidet. So würden beispielsweise Zäune benötigt, die unliebsame Tiere von den Teichen abhalten – wie den Fischotter, der sich schon öfter „den Magen bei uns vollgeschlagen hat“, wie Gunna Benecke berichtet. Dürfen solche Zäune dann noch errichtet werden?, fragt sich die Unternehmerin. Auch Netze gegen die Kormorane würden benötigt.

Dorothea Epperlein, Untere Naturschutzbehörde

Das Ehepaar ist wie andere Anlieger der Ilmenau ins Bad Bevenser Kurhaus gekommen, um Antworten zu den Schutzplänen zu erhalten. Der Landkreis Uelzen hat eingeladen, um erstmals über das Verfahren zu berichten. Die Beneckes hören etwas von einem Bestandsschutz für bereits existierenden Anlagen. Die Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises gehen aber, was den geplanten Verordnungstext betrifft, nicht ins Detail. Weil dann die Veranstaltung bis tief in den Abend gehen würde. Lange gedulden müssten sich die Bürger aber nicht mehr, um den Verordnungstext einsehen zu können, erklärt Dorothea Epperlein von der Unteren Naturschutzbehörde in Bad Bevensen.

Der Zeitplan sieht von Anfang Juli bis September die Auslegung der Verordnung im Wortlaut vor. Und wie Epperlein sagt, ist es dann auch die Zeit für die Anlieger, ihre Fragen und Sorgen im Beteiligungsverfahren vorzubringen. Sie betont das mehrfach, weil im Kurhaus auch Kritik laut wird, die Anlieger seien bisher nicht in das Verfahren eingebunden gewesen. „Sie sind aufgerufen, sich zu beteiligen“, sagt Epperlein.

Klaus-Georg Franke, Mitglied des Kreistages für die UWG, ärgert sich über den vorgestellten Zeitplan: „Warum machen sie die Beteiligung im Juli und August, wenn die Menschen im Urlaub sind?“, will er wissen. Alexander Krüger vom Landkreis verweist auf eine gewisse Dringlichkeit durch Vorgaben höherer Ebenen wie dem Bund und der EU zu Schutzgebieten, berichtet aber zugleich, dass man gerade wegen der Sommerzeit die Unterlagen länger auslegen würde und während dieser Zeit auch die Stellungnahmen abgegeben werden könnten.

Die Verordnung zum Schutzgebiet werden unter anderem über die Homepage des Landkreises sowie in den Rathäusern der Gemeinden einzusehen sein.

VON NORMAN REUTER

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