Experte äußert Kritik

Medinger Mühle soll keinen Strom mehr erzeugen

Die Medinger Mühle
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Der Landkreis Uelzen will die Ilmenau an der Medinger Mühle wieder durchgängiger für Fische und andere Wasserlebewesen machen.
  • Gerhard Sternitzke
    VonGerhard Sternitzke
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Der Landkreis Uelzen will das Wasserrecht der Medinger Mühle kaufen, um sie durchgängiger für Fische und andere Tierarten zu machen. Strom wird dann nicht mehr produziert

Bad Bevensen – „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“, heißt es im Volkslied. Seit Jahrhunderten nutzt die Medinger Mühle die Kraft der Ilmenau. Am Wehr spiegeln sich die Gebäude, die die Stadt Bad Bevensen kauft (AZ berichtete) im aufgestauten Wasser, aber ein Mühlrad dreht sich schon lange nicht mehr. Stattdessen erzeugt seit Jahrzehnten eine Turbine Strom. Für das Wasserrecht, also das Recht, die Kraft der Ilmenau zu nutzen, interessiert sich der Landkreis Uelzen – allerdings nicht, um zum Stromproduzenten zu werden, sondern um den natürlichen Lauf der Ilmenau wieder herzustellen.

„Geplant ist die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit der Ilmenau an der Mühle in Medingen“, bestätigt Landkreis-Sprecher Martin Theine auf AZ-Nachfrage. Bislang wirkt das Wehr, das die Ilmenau aufstaut, nämlich für viele Tierarten als unüberwindbare Barriere. „Um verschiedenen Fischen wie der Elritze, dem Neunauge und der Groppe sowie der Bachmuschel und den Kleinlebewesen in der Ilmenau die Durchwanderung der Ilmenau zu ermöglichen, ist nicht die Beseitigung der Turbine maßgeblich, sondern die Beseitigung des Wasseranstaus.“

Derzeit führt der Landkreis entsprechende Kaufverhandlungen mit dem Eigentümer des Wasserrechts. Die Kosten für einen entsprechenden Umbau der Anlage seien noch nicht erhoben worden, informiert Theine.

„Der Klimawandel kostet bei uns in Deutschland Menschenleben – und da wird Steuergeld in die Hand genommen, um eine Wasserkraftanlage zu zerstören“, kritisiert der Wasserkraft-Experte Sebastian Kaptain aus Gütersloh und verweist auf das Erneuerbare-Energien-Gesetz, nach dem der Anteil des grünen Stroms bis 2030 auf 65 Prozent steigen soll.

Turbine versorgt 250 Haushalte mit Strom

Die Turbine der Medinger Mühle leistet nach seinen Angaben 100 Kilowatt und versorgt mit dem Strom aus der Ilmenau rund 250 Haushalte in Medingen. Im Unterschied zur Windkraft steht die Wasserkraft sehr gleichmäßig zur Verfügung und wird – anders als der Winstrom aus dem Norden, für den große Trassen nötig sind – regional verbraucht, macht Kaptain deutlich, der das Land Nordrhein-Westfalen berät.

Die ökologische Durchgängigkeit für die Wasserbewohner könne man auch durch technische Maßnahmen in Form einer Fischtreppe sicherstellen. „Trotz der Durchgängigkeit kann man sinnvoll Strom produzieren“, erklärt der 49-jährige Experte, der mit einem Partner die Lüneburger Abtsmühle betreibt. „Wir sollten nichts unversucht lassen, um den Klimawandel aufzuhalten.“

Die AZ hat den Landkreis um eine Stellungnahme gebeten. „Nach Einschätzung des Landkreises ist eine Fischtreppe nicht ausreichend, um das ökologische Entwicklungsziel erreichen zu können“, betont Kreis-Sprecher Theine. „Der Verlust an gewinnbarem Strom wird durch den Landkreis angesichts der dadurch erreichbaren positiven Gewässerentwicklung als vertretbar angesehen“, so Theine. „Die Ökologie hat aufgrund der besonderen Bedeutung des Gewässers auch aus Landessicht unbedingte Priorität gegenüber der dort möglichen Wasserkraftnutzung.“

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