1. az-online.de
  2. Uelzen
  3. Bad Bevensen

Scharfe Kritik an Sparvorschlägen von CDU und FDP im Rat der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf

Erstellt:

Kommentare

Feuerwehrleute und Fahrzeuge vor dem Bevenser Kurhaus.
Feuerwehrfahrzeuge und Feuerwehrleute haben vor dem Bevenser Kurhaus Aufstellung genommen, in dem der Samtgemeinderat sich mit der vorgeschlagenen Streichung von drei Gerätehäusern befasst. © Sternitzke, Gerhard

Eine beeindruckende Kulisse ist am Donnerstagabend vor dem Bevenser Kurhaus aufgebaut: Elf Feuerwehrfahrzeuge füllen den Platz vor dem Eingang. Über 100 Feuerwehrleute sind in Dienstkleidung gekommen, um gegen die umstrittenen Sparvorschläge von CDU und FDP Präsenz zu zeigen.

Bad Bevensen – Die Frage, ob zunächst nur eines der vier geplanten Feuerwehrhäuser für die Kooperations- und Fusionswehren errichtet wird, dominiert auch, obwohl nicht auf der Tagesordnung, den Samtgemeinderat.

„Wann kommen Sie endlich Ihrer Pflicht nach und informieren sich über die Bedingungen, unter denen die Männer und Frauen der Feuerwehr ihren Dienst verrichten?“, will Römstedts Ortsbrandmeister Michael Lüders in der Bürgerfragestunde wissen. „Und meinen Sie, wenn Sie die Feuerwehrhäuser nach hinten verschieben, dass es dann billiger wird?“

Feuerwehrhäuser ohne Toiletten

Noch deutlicher wird sein Amtskollege Torsten Horlitz von der Feuerwehr Hagen-Schlagte: „Es gibt in sehr wenigen Feuerwehrhäusern Toiletten, geschweige denn Duschen“, berichtet der Ortsbrandmeister. „Unsere Kleidung nehmen wir mit nach Hause. Damit gefährden wir nicht nur uns selbst, sondern auch unsere Familien. Wenn wir sie im Gerätehaus lassen würden, müssten wir sie alle Jahre neu anschaffen.“

„Ich weiß, viele von Ihnen sind mit einer Wut im Bauch hier“, wendet sich Andreas Czerwinski an die Feuerwehrleute. „Wir würden nie an der Technik und der Feuerwehrausrüstung sparen“, betont der Sprecher der Gruppe CDU/FDP. Doch die Corona-Pandemie und der Ukrainekrieg schlage sich im Haushalt nieder. „Schule und Waldemar und die Feuerwehrhäuser, das überfordert uns“, ist Czerwinski überzeugt und verweist auf gestiegene Baukosten und Zinsen. Zur Finanzierung müssten die Gemeinden die Grundsteuern erhöhen. „Dann zahlt am Ende jeder Einwohner die Zeche, und das über Generationen.“
t

Czerwinski (CDU): „Keiner hat sich diese Entscheidung leicht gemacht“

Für die Ganztagsschule bestehe ab 2026 aufsteigend ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, die Bäder seien unverzichtbar, damit Kinder schwimmen lernten. „Keiner hat sich diese Entscheidung leicht gemacht“, stellt Czerwinski dar. Die Feuerwehren selbst sollten festlegen, welches Feuerwehrhaus gebaut werde. Auch eine Überprüfung von Fahrzeugen vor einem routinemäßigen Austausch fordern CDU und FDP.

„Ich weiß, dass das Ganze herausfordernd ist“, betont Samtgemeindebürgermeister Martin Feller (Grüne). Der Rat habe das Brandschutzkonzept 2018 beschlossen, und das sei nun auch bindend. „Die Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf ist verpflichtet, einen vernünftigen Brandschutz zu gewährleisten. Es wäre verantwortungslos, dieses zu verschieben“, mahnt der Bürgermeister.

Neun Kooperationen sind beantragt

Neun Kooperationen seien inzwischen beantragt. „Und man muss sich mal unsere Feuerwehrhäuser angucken. Unsere Kooperationen machen natürlich nur Sinn, wenn sie mit Material unterlegt und gelebt werden“, erklärt der Bürgermeister. „Das die Baupreise sinken, das habe ich mein Leben noch nicht erlebt. Je schneller du baust, desto mehr sparst du“, erklärt er unter Applaus.

„Wenn wir was bauen, ist das kreditfinanziert“, hält Léonard Hyfing (FDP) dagegen. Die Samtgemeinde würde sich mit 15 Millionen Euro für die nächsten 50 Jahre verschulden. „Das bedeutet eine Belastung von zwei Millionen Euro jedes Jahr.“ Im Vergleich gebe die Samtgemeinde doppelt so viel für die Feuerwehrleute aus wie die anderen Gemeinden. „Wir müssen als Politik entscheiden, was ist leistbar, was können wir tragen“, fordert Hyfing.

Die Grünen haben sich für die Umsetzung der vier Feuerwehrhäuser ausgesprochen. Hier zu sparen sei falsch. „Das steht nicht für unsere Auffassung des Ehrenamtes und der Klimakatastrophe“, sagt die Fraktionsvorsitzende Annette Niemann, und BfB-Ratsherr Hans-Bernd Kaufmann schließt sich ihr an.

Die SPD steht hinter den Bauvorhaben, schlägt als Kompromiss jedoch vor, die Feuerwehrhäuser zeitlich gestaffelt zu errichten. „Wir haben zu viel Zeit verloren, die Feuerwehrhäuser zu bauen. Jetzt bleibt uns nichts anderes übrig, als alle zu bauen“, sagt Hans-Peter Hauschild. Allerdings beginne man mit einem Pilotprojekt. „Was gesagt ist, muss gelten.“

. Die Diskussion wird im Feuerschutzausschuss fortgeführt. Er tagt am Mittwoch, 14. Dezember, um 18 Uhr im Schulungsraum der Bevenser Feuerwehr.

Auch interessant

Kommentare