Gutachter schlägt Zusammenlegungen vor

Feuerwehren der Samtgemeinde auf dem Prüfstand: „So kann es nicht bleiben“

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Nachwuchsförderung, immer komplexere Unfallgeschehen, Brandeinsätze – die Feuerwehren stehen vor immer größer werdenden Herausforderungen. Damit sie auch in Zukunft noch den Brandschutz in der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf gewähren können, sollen sich jetzt Strukturen von Grund auf ändern.

Bad Bevensen/Ebstorf. Seine Zwischenbilanz spricht deutliche Worte: „Circa 50 Prozent der Feuerwehren erfüllen nicht die Anforderungen einer leistungsfähigen Wehr.“ Manfred Fennen aus Cloppenburg hat jetzt den Feuerwehrspitzen und Politikern erste Ergebnisse aus seinem Feuerwehrbedarfsplan (FBP) präsentiert, den er im Auftrag der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf erstellt.

Und die erfordern Handeln. Und zwar das gemeinsame Handeln von Politik und Wehren.

„Zielsetzung dieser Bedarfsplanung ist ausdrücklich nicht, Geld zu sparen, und auch nicht, Feuerwehren aufzulösen“, betont Samtgemeindebürgermeister Hans-Jürgen Kammer im AZ-Gespräch. Das oberste Ziel sei, den Brandschutz für die Bürger zu sichern. Und um den ist es in manchen Gegenden zurzeit nicht gut bestellt. Was nicht am Engagement der Feuerwehrkameraden liege. Vielmehr hätten in den vergangenen Jahren Entwicklungen stattgefunden, mit denen man weder personell noch ausstattungstechnisch habe Schritt halten können. So seien Autos heutzutage mit immer mehr Technik ausgerüstet, Biogasanlagen und Solaranlagen beispielsweise stellen neue Dimensionen von Gefahrenlagen dar. Aus Manfred Fennens Sicht lautet das Gebot der Stunde daher: die Zusammenlegung von Feuerwehren – bei Reduzierung der Standorte, aber Beibehaltung der Ortswehren. „Jede Wehr behält also ihren Ortsbrandmeister“, erklärt Hans-Jürgen Kammer, „aber es gibt im Einsatzfall nur einen verantwortlichen Leiter.“ Üblicherweise, ergänzt Gemeindebrandmeister Wilhelm Ripke, sei das auch jetzt schon der Ortsbrandmeister, in dessen Gemeinde der Einsatz erfolge.

Ripke, selbst Ortsbrandmeister in Röbbel, weiß auch um die Emotionen in den Wehren, die jetzt aufkommen mögen. „Aber im Grunde weiß jede Wehr genau, wo bei ihr die Knackpunkte liegen.“ Kameraden, die auswärts arbeiten, fehlender Nachwuchs und alternde Ausstattung – „Die Feuerwehren wissen: So kann es nicht bleiben“, ergänzt Samtgemeinde-Feuerwehr-Sprecher Tom Reher. „Deshalb sind wir gut beraten, wenn es jetzt eine externe Stelle gibt, die uns Lösungsmöglichkeiten aufzeigt.“

Als Pilotprojekt schlägt der Gutachter die Zusammenlegung der Wehren Gollern, Röbbel und Hesebeck vor. Von den Dreien habe es schon „ein grundsätzliches Ja“ gegeben, berichtet Hans-Jürgen Kammer. Bei einer Zusammenlegung wolle man aber die konkreten Bedingungen wissen. Anfang 2017 sollen dazu Gespräche geführt werden.

Auch die Politik muss mitspielen: Sie soll nämlich jährlich 300 000 Euro für die Umsetzung der Kooperationen zur Verfügung stellen – zusätzlich zum üblichen Feuerwehr-Etat, der in diesem Jahr bei rund 700 000 Euro für Fahrzeuge und Ausrüstung lag. Denn die fusionierten Wehren sollen eine rundum moderne Ausstattung erhalten. Und Samtgemeindebürgermeister Kammer stellt auch klar: „Diese Investitionen gibt es nur, wenn die Wehren zu neuen Strukturen bereit sind.“

Das Endergebnis des Feuerwehrbedarfsplans soll im ersten Quartal nächsten Jahres vorliegen.

Von Ines Bräutigam

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