Nach dem Großbrand einer Scheune bei Medingen müssen die Feuerwehren gestern erneut löschen

Das Feuer in Medingen kommt nicht zur Ruhe

+
Teils sind die Blechplatten von der Kraft des Feuers abgelöst worden, teils mussten die Feuerwehrleute sie abreißen, um an das brennende Heu zu gelangen. Gestern wurde noch einmal nachgelöscht, weil erneut Flammen aus dem Brandmaterial schlugen.

Bad Bevensen-Medingen. Gerade wollen sie die Ausrüstung zusammenräumen und das Abrücken vorbereiten, da sieht jemand, wie ganz hinten aus dem riesigen Heuberg eine kleine Rauchsäule empor steigt.

„Da müssen wir noch mal ran“, sagt Olaf Twellhegen und ruft über Funk seine Kollegen zusammen. Die dicken Reifen des tonnenschweren Tanklöschfahrzeugs wühlen sich durch den Acker in Richtung Stahlgerippe – mehr hat das Großfeuer am späten Freitagabend von einer großen Scheune zwischen Medingen und Bruchtorf nicht übrig gelassen. Und gestern Morgen um 3. 40 Uhr müssen die ehrenamtlichen Feuerwehrleute um Olaf Twellhegen schon wieder ausrücken – durch Selbstentzündungen des Heus, das in der Scheune gelagert war, kommt der Brandort einfach nicht zur Ruhe.

Ulrich Meyer hält seit den Morgenstunden den Wasserwerfer auf die dampfenden Heuhaufen, aus denen schon das weiße Schaumgemisch läuft. Dennoch: „Das muss dringend weg geschafft werden, sonst fängt das immer wieder an zu brennen“, lautet Olaf Twellhegens Einschätzung. Während er mit dem Ordnungsamt telefoniert und mögliche Abfuhr- und Containermöglichkeiten durchspricht, ziehen Landwirte aus der Nachbarschaft mit ihren Treckern die rund 50 000 Kubikmeter Heu auseinander, damit diese sich endlich abkühlen.

Unterdessen legt Ulrich Meyer eine kurze Zwangspause am Wasserwerfer ein – das Schaumgemisch muss nachgefüllt werden. Es sorgt dafür, dass das Löschwasser besser in das Brandmaterial eindringen kann. Olaf Twellhegen runzelt die Stirn. „Allmählich gehen die Vorräte zur Neige. Für den nächsten Großbrand reicht das nicht mehr.“ Allein gestern Vormittag schießen die Feuerwehren aus Bad Bevensen rund 40 000 Liter Löschwasser auf das Gelände.

Ein Stahlgerippe und ein paar verkohlte Überreste – mehr ist von der Wellblech-Scheune nicht übrig geblieben.

„Als wir heute Morgen eingetroffen sind, brannte es hier wieder lichterloh“, schildert Twellhegen. Schuld daran ist die Hitze, die sich im frisch gemähten Heu bildet – in den Haufen gärt es sprichwörtlich. Ob eine solche Selbstentzündung allerdings auch Ursache für den Großbrand in der Nacht zum vergangenen Sonnabend gewesen ist, darauf will sich Polizei-Sprecher Kai Richter auf AZ-Nachfrage nicht festlegen. Die Brandursache sei noch unklar, sagt er. Weder Brandstiftung noch Selbstentzündung könnten ausgeschlossen werden. Auch ein technischer Defekt käme in Frage: Die Wellblechscheune war unter anderem mit einer Photovoltaik-Anlage ausgerüstet. Deren Einzelteile waren bei dem Großfeuer abgeplatzt und hinaus in die Nacht geflogen. Manche Einwohner von Medingen fanden sie am Morgen darauf hundert Meter weiter in ihren Gärten wieder.

Bis gestern sind insgesamt etwa 200 ehrenamtliche Feuerwehrleute im Einsatz, um der Lage zwischen Medingen und Bruchtorf Herr zu werden. Mehr als 20 Feuerwehren aus der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf stellen am vergangenen Wochenende bis zum Sonntagabend abwechselnd in Schichten Brandwachen, die rund um die Uhr den Brandort im Blick behalten. Gestern Früh dann geht es weiter.

Am Rande des Geländes haben die Einsatzkräfte einen kleinen Pavillon aufgestellt, damit sie sich kurz hinsetzen und ausruhen können. Zur Stärkung zwischendurch gibt es Kaffee und Brötchen, mittags sind rund zwei Dutzend Currywürste für die knurrenden Mägen der Feuerwehrleute bestellt. Unterdessen hat Olaf Twellhegen gerade schon wieder telefoniert. Für die 50 000 Kubikmeter Heu, die durch die Brandrückstände zu Sondermüll geworden sind, ist offenbar eine Abholung in Sicht. Ob das an diesem Tag noch was wird? „Möglichst ja“, hofft Twellhegen. Denn weitere Einsätze an der Medinger Scheune wollen er und seine Kollegen sich eigentlich gern ersparen.

Von Ines Bräutigam

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare