Zertifiziertes Bad Bevensen hat Erfahrung mit Gästen mit Einschränkungen

Erster barrierefreier Ort im Land: Bad Bevensen

Barrierefreies Bad Bevensen: Das Kurhaus ist ohne Stufen für Rollstuhlfahrer und andere Menschen mit Einschränkungen erreichbar. Mit der Zertifizierung will die BBM die wachsende Zielgruppe ansprechen. foto: Heidehotel/Wendlandt
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Barrierefreies Bad Bevensen: Das Kurhaus ist ohne Stufen für Rollstuhlfahrer und andere Menschen mit Einschränkungen erreichbar. Mit der Zertifizierung will die BBM die wachsende Zielgruppe ansprechen.
  • Gerhard Sternitzke
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Bad Bevensen – Unterschrieben hat auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann. Die Urkunde weist es aus: Bad Bevensen ist ein barrierefreier Ort – als erster in Niedersachsen.

Das bundesweit einheitliche Zertifikat „Reisen für alle“ vergibt das Deutsche Seminar für Tourismus Berlin (DSFT). Das Siegel schafft Transparenz für Reisende und signalisiert: In diesem Ort gibt es Informationen und Angebote zur Barrierefreiheit.

Was das bedeutet, macht Ines Utecht von der Bad Bevensen Marketing (BBM) im Bevenser Kurhaus deutlich. Vor den Türen sind Metallnoppen in den Bodenbelag eingelassen. Sie signalisieren Blinden und Sehbehinderten, wo sich die Tür zum Saal befindet. Natürlich ist das Kurhaus ohne Niveauunterschied zu erreichen, und die Tür zu den Toiletten lässt sich per Schalter elektrisch öffnen. Eine besondere Erleichterung für Hörgeräteträger: Über Schleifen im Boden können Sie Konzerte ohne Störgeräusche verfolgen.

Ines Utecht, Marketing-Chefin der BBM, zeigt den Schalter für die Toilettentür.

„Auch Menschen mit Einschränkungen oder Handicap wollen mal Urlaub machen“, sagt Ines Utecht. Das Kurhaus, die Therme, die über einen Badelift verfügt, oder der Kurpark mit seinen ebenen Wegen waren bereits zertifiziert, ebenso die Bibliothek im Griepe-Haus und das Bevenser Heidehotel, das komplett barrierefrei ist. Es verfügt sogar über einen rollstuhlgängigen Waldweg. Weitere Beherbergungsbetriebe konnte Ines Utecht überzeugen, sich zertifizieren zu lassen. Insgesamt sechs Hotels und Pensionen tragen das Siegel. „Das Projekt lebt davon, dass Anbieter im Ort mitmachen“, betont die BBM-Marketingchefin.

Die Touristiker sehen die Menschen mit Einschränkungen auch als Zielgruppe. „Für uns passt das wunderbar nach Bad Bevensen, weil der Kurort Erfahrung mit Gästen mit Einschränkungen hat“, erklärt Ines Utecht. So gehören die Reha-Patienten zum Stadtbild.

In den Bodenbelag eingelassene Noppen signalisieren Blinden und Sehbinderten, wo die Tür zum Saal ist.

Für die Zertifizierung musste die BBM mehrere barrierefreie Angebotsschwerpunkte nachweisen, die sie unter den Überschriften „Körper und Seele baumeln lassen“‚ „Kultur genießen“ sowie „Bummel und Kaffeeklatsch“ zusammengefasst hat.

Es gibt auch Schwachpunkte in der Kurstadt, die Situation am Bahnhof etwa. Immerhin werden Hilfsdienste angeboten und viele Waggons besitzen Rampen. Der neue Rollatorparcours war noch nicht Teil der Zertifizierung.

Das Ziel ist, weitere Projekte mit barrierefreien Angeboten einzubinden. Angesprochen werden sollen nicht nur Menschen, die auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind, sondern auch seh- oder hörbehinderte sowie kognitiv eingeschränkte Personen. Zehn Millionen Menschen in Deutschland sind von solchen Angeboten abhängig, das ist jeder Achte. „Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels werden diese Angebote deshalb in den kommenden Jahren noch deutlich an Bedeutung gewinnen“, betont Ines Utecht. Aber auch ältere Menschen und Familien mit Kindern profitieren.

Auf der Internetseite www.reisen-fuer-alle.de oder auf www.bad-bevensen.de können Menschen mit Handicap nachlesen, welche barrierefreien Angebote und Übernachtungsmöglichkeiten es für sie gibt. Die Zertifizierung gilt für drei Jahre.

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