Landwirte rechnen mit steigenden Preisen aufgrund des gesetzlichen Mindestlohns

Erdbeerbauern sehen rot

Noch blühen die Erdbeerfelder von Ingo von Meltzing, aber schon bald will der Landwirt mit der Ernte beginnen. Sechs Erntehelfer sind dann im Einsatz. Foto: Petersen

Barum/Melzingen. Clery ist die erste, die errötet, wenn die Sonne über den Erdbeerfeldern des Obsthofes Barum steht. Clery, so heißt die Sorte der süßen Früchte, in deren Genuss Erdbeerfreunde bereits ab Mitte diesen Monats kommen sollen.

„Das ist extrem früh“, weiß Claudia Reinhart vom Obsthof Barum. Ein milder Winter und verhältnismäßig hohe Temperaturen im Frühjahr sorgen – wie schon beim Spargel – für einen frühzeitigen Erntestart in der Region. Zehn Tage früher als in anderen Jahren, berichtet Ingo von Meltzing vom Rittergut Melzingen, werde auch er mit dem Verkauf der Erdbeeren beginnen.

Allerdings müssen sich die Verbraucher in den kommenden Jahren auf deutliche Preissteigerungen einstellen, glauben Reinhart und von Meltzing. Der Grund: Die geplante Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes von 8,50 Euro pro Stunde zum 1. Januar 2015.

„Das ist schon ein Problem“, sagt von Meltzing. Er beschäftigt während der Saison sechs Erntehelfer – überwiegend aus Polen und Rumänien. 6,78 Euro verdienen sie pro Stunde. „Wenn wir den Mindestlohn kriegen, wird der Preis fürs Pflücken deutlich teurer“, gibt der Landwirt zu bedenken. „Ich gehe davon aus, dass wir versuchen, den Preis angemessen und moderat zu erhöhen.“ Nach seiner Erfahrung liegt der Durchschnittspreis für ein 500-Gramm-Schälchen Erdbeeren zwischen 1,50 und 3 Euro.

Claudia Reinhart ist sich jedoch nicht sicher, ob steigende Preise überhaupt realisierbar sind. Schließlich herrsche in Deutschland eine Überproduktion bei den Erdbeeren. Zwölf polnische Erntehelfer arbeiten während der Erdbeerernte auf dem Barumer Obsthof.

Grundsätzlich sei gegen den Mindestlohn nichts einzuwenden, meint Kreislandwirt Thorsten Riggert. „Wenn jemand einen ganzen Monat arbeitet, muss er davon auch leben können.“ Unter den gestiegenen Lohnkosten litten in erster Linie Arbeitgeber, die überwiegend für den Großhandel produzieren. „Weil der Kunde am Ende nicht guckt, wo die Ware herkommt, sondern nur auf den Preis.“ Für den lokalen Handel seien steigende Preise unumgänglich. „Das muss so sein, anders geht es nicht.“

Zunehmend schwieriger gestalte sich aber auch die Suche nach geeigneten Kräften. „ Es ist nicht so, dass wir eine unheimliche Auswahl an guten Leuten hätten“, bemerkt der Kreislandwirt. Um sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten, seien angemessene Löhne ein wesentlicher Schritt.

Der geltende Tarifvertrag für die Landwirtschaft in Niedersachsen sieht vor, dass der Stundenlohn in Schritten angehoben wird. Zum 1. Dezember 2017 würden 8,50 Euro pro Stunde gezahlt. Der Gesetzentwurf zum Mindestlohn billigt Branchen mit einem Tarifvertrag aber nur eine Übergangsfrist bis 1. Januar 2017 zu, um die 8,50 Euro Stundenlohn zu erreichen.

Landwirt von Meltzing hofft nun, das die Verbraucher bereit sind, tiefer in die Tasche zu greifen. Immerhin rechnet er mit einem Preisanstieg von 10 bis 20 Prozent, um die gestiegenen Lohnkosten ausgleichen zu können. Andernfalls schließt er auch eine Reduzierung seiner Anbauflächen nicht aus.

Von Anna Petersen

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