Mitglieder des Bevenser Kinderschutzbundes „erschrocken“ über Umgang der Vorsitzenden mit Geld

Ende der „Alleinherrschaft“

Der Verkauf der Maulschelle ist jedes Jahr wieder ein Höhepunkt im Veranstaltungsprogramm des Bevenser Kinderschutzbundes. Der Erlös ist für die Kinderarbeit bestimmt. Archivfoto: Ph. Schulze

Bad Bevensen. In einer turbulenten dreistündigen Sitzung versuchten die Mitglieder des Bevenser Kinderschutzbundes, sich am Mittwochabend ein Bild davon zu machen, was in der Vergangenheit schief gelaufen ist.

Denn bereits vor etwa zwei Jahren hatte es (wie berichtet) Vorwürfe gegen die Vorsitzende Edda Beneke gegeben, weil deren Umgang mit Geldern fragwürdig schien. Damals wie heute war der Landesverband eingeschaltet worden. Doch dessen Vertreter, Vorsitzende Antje Möllmann und Rechtsanwalt Ulf Schade, mussten vorgestern feststellen, dass man in Bad Bevensen offenbar die damals vereinbarten Maßnahmen zur Verbesserung des Umgangs mit Geld nicht umgesetzt hat.

Schriftführerin Sybille Abrahams, die die Versammlungsleitung übernommen hatte, versuchte eingangs noch das Ruder für den jetzigen Vorstand herumzureißen: Man habe erkannt, dass ein so großer Ortsverband eine professionelle Kassenführung brauche, man wolle die Geldgeschäfte künftig in die Hände von Fachleuten legen.

Die Kasse sei in der Vergangenheit „nicht in 100-prozentiger Weise“ geführt worden, räumte sie. Aber dies sei ein Versagen mehrerer Beteiligter gewesen. „Das ist kein Grund für eine Abwahl, weil es nicht grob vorsätzlich war.“

Die Mehrheit der Anwesenden sah das offensichtlich anders. Nachdem Kassenprüfer Gerhard Becker bestätigt hatte, dass es Unregelmäßigkeiten in der Kassenführung 2010 und 2011 gab, weil unter anderem diverse Belege für die Verwendung von Geldern fehlten oder zweifelhaft erschienen, wollten es einige Mitglieder des Kinderschutzbundes genau wissen: Wie könne es zum Beispiel sein, dass eine Familienhelferin seit dem Jahr 2009 insgesamt knapp 5000 Euro in bar erhielt und erst nach Aufforderung Verwendungsbelege dafür vorlegte, wollte Rosi Thöneböhn wissen. „Warum gehen solche Summen bar über den Tisch?“

Die genaue Verwendung der Summen ist nach wie vor fraglich – so sollen davon unter anderem Stromrechnungen bedürftiger Familien bezahlt worden sein. Dies aber, so hat Thöneböhn recherchiert, seien Kosten, die von der Agentur für Arbeit übernommen würden. Weiterhin habe ein Ehrenmitglied des Bevenser Kinderschutzbundes 666 Euro erhalten und dafür Leinwände für künstlerisches Arbeiten mit den Kindern angeschafft. Nachgereichte Belege deuteten aber darauf hin, dass die Materialien offenbar für den Privatgebrauch verwendet wurden. Dass man die Belege trotzdem gebucht habe, sei „versehentlich“ geschehen, versuchte sich Sybille Abrahams einmal mehr in Erklärungen. Das Geld sei inzwischen an den Kinderschutzbund zurückgezahlt worden.

Die Mitglieder in der Versammlung meldeten sich „erschrocken“ und „entsetzt“ ob dieser und weiterer Schilderungen zu Wort. Auch langjährige – inzwischen zurückgetretene – Mitglieder des Vorstandes, die sich noch vor zwei Jahren hinter Edda Beneke gestellt und die damaligen Vorwürfe als „Schmutzkampagne“ verurteilt hatten, übten deutlich Kritik. „Wir wussten von den wenigsten Beträgen, die hier genannt werden“, stellte eine von ihnen, Sabine von Hodenberg, fest. „Das ist die Alleinherrschaft von Frau Beneke gewesen. Ich hatte davon keine Ahnung“, versichert sie.

In einem äußerst chaotischen Sitzungsverlauf mit emotionalem Hin und Her, gegenseitigen Schuldzuweisungen und einer Diskussion darüber, wer an welcher Stelle was versäumt hat, brachten es einige Mitglieder schließlich auf den Punkt: Man wolle jetzt keine Erklärungen mehr, „ein sauberer Schnitt“ müsse her, damit der Bevenser Kinderschutzbund ganz neu anfangen könne.

Bei all dem dürfe man aber auch nicht den Verdienst Edda Benekes um den Bevenser Kinderschutzbund reduzieren, gab eine Dame aus der Versammlung zu bedenken – und erhielt dafür Applaus. Auch von Benekes Kritikern.

Applaus gab es aber auch nach der Erklärung von Sybille Abrahams, dass mit der Abberufung der Vorsitzenden auch der Vorstand zurücktreten werde. Der Bevenser Kinderschutzbund muss nun eine weitere Mitgliederversammlung einberufen, um einen neuen Vorstand zu wählen. Und das schnellstmöglich.

Von Ines Bräutigam

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