Kritik an Rübenschlamm / Georg Sander von der Zuckerfabrik erklärt Verfahren

Emmendorf: „Das ist Kreislaufwirtschaft pur“

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Verladung von Rüben im Herbst. Die anhaftende Erde wird in der Uelzener Zuckerfabrik abgewaschen und Monate später als Rübenschlamm auf Äcker im Kreisgebiet ausgeliefert.

Emmendorf – Auffällige Aktivitäten auf einem Acker bei Emmendorf. Anwohner beobachten, wie Sattelzüge anfahren und einen schwarzbraunen Schlamm abkippen. Später verteilt eine Raupe die Masse. Bürger haben Zweifel, ob alles mit rechten Dingen zugeht.

Eckehard Niemann, früherer Sprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), warnt vor Nitratauswaschungen aus dem Rübenschlamm der Zuckerfabrik. Die AZ hat bei Nordzucker nachgefragt.

Niemann findet die Ausbringung der Rübenerde angesichts der neuen Düngeverordnung bedenklich. Nitrat aus dem Gemisch von Erde und Rübenresten könne ins Grundwasser gelangen, erst recht, da die Masse am Hang abgekippt worden sei. Ein einziger Nitrat-Nachweis im Grundwasser könne zu großräumigen Düngeeinschränkungen für Hunderte unbeteiligter Landwirte führen, mahnt der Varendorfer.

Dass es sich um eine Deponierung und nicht um eine Düngung handele, gehe schon daraus hervor, dass eine Baugenehmigung hierfür notwendig sei. In diesem Zusammenhang kritisiert Niemann auch, dass der Landkreis dabei keine Verbände beteilige und eine Umweltverträglichkeitsprüfung nicht für notwendig halte.

Sieben Landwirte im Uelzener Kreisgebiet haben in diesem Jahr Rübenschlamm erhalten, teilt Nordzucker auf AZ-Nachfrage mit. „Wir fahren die Erde, die mit den Rüben in die Fabrik kommt, wieder auf die Äcker zurück“, stellt Georg Sander, Leiter der landwirtschaftlichen Abteilung, klar. „Das ist Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung pur.“ Die Landwirte, die solche Lieferungen anfordern, könnten hierdurch ihre sandigen Böden verbessern, denn der Rübenschlamm enthält lehmhaltige Feinerde und organisch gebundenen Stickstoff. „Das erhöht dauerhaft die Wasserhaltefähigkeit und den Nährstoffgehalt der Böden. Das ist eine absolute Bodenverbesserung“, so Sander.

Deshalb gebe es auch keine Zahlungen an die Landwirte für die Abnahme. Die Erde werde zuvor von einem zertifizierten Labor untersucht. Dabei werden 30 Meter Abstand vom Feldrand gehalten. Nach dem Aufbringen des Rübenschlamms werden vor allem starkzehrende Pflanzen wie Mais, Zuckerrüben oder Ackergras angebaut.

Vor der Verarbeitung werden die angelieferten Zuckerrüben gewaschen. Das Wasser mit der Erde und Pflanzenbestandteilen wird in Absetzteiche geleitet. Dabei sterben nach Sanders Angaben auch Keime wie Kartoffelnematoden ab. Das Wasser wird in Rübenwasserbecken in Stöcken und Borg gelagert und kommt der Feldberegnung zugute. Der Rübenschlamm wird auf Äcker ausgefahren. „Das ist kein Klärschlamm“, stellt Sander klar. „Das ist eine ganz natürliche Ressource.“ Die Menge habe die Zuckerfabrik bereits deutlich reduziert, betont Sander. Bei der Verladung mit der sogenannten Rübenmaus werde bereits 30 bis 40 Prozent der anhaftenden Erde ausgesiebt.

Kreis-Sprecher Martin Theine weist darauf hin, dass bei der Genehmigung die Untere Naturschutzbehörde, die Untere Wasserbehörde, das Amt für Kreisstraßen und die Gemeinde Emmendorf beteiligt wurden. „Eine Verbandsbeteiligung ist für derartige Verfahren nicht vorgesehen. Auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung beziehungsweise eine entsprechende Vorprüfung ist für derartige Verfahren nicht vorgesehen.“

VON GERHARD STERNITZKE

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