Bad Bevensen: Neuer Chefarzt des HGZ will Katheter-Verfahren mit Bildschirmunterstützung ausweiten

Eingriff am Röntgenbild

+
Keine großen Schnitte nötig: An der DSA-Anlage (Digitale Subtraktionsangiographie) des HGZ überprüft PD-Dr. Hans Krankenberg anhand von Röntgenaufnahmen, die am Bildschirm stetig aktualisiert werden, den Fortschritt des Eingriffs.

Bad Bevensen. Alle paar Minuten stehen stehen Dr. Wulf Euringer und PD-Dr. Hans Krankenberg am Operationstisch im Dunkeln – immer dann, wenn ein neues Röntgenbild der verstopften Gefäße im Bein ihres Patienten entsteht.

Unter ihren OP-Kitteln tragen die Chefärzte der Radiologie und der Angiologie (Lehre der Gefäße), während sie mit Hilfe eines Katheters die verkalkte Arterie weiten, eine Bleischürze – zum Schutz vor der Strahlung, der sie beim Röntgen täglich über mehrere Stunden ausgesetzt ist.

Dr. Wulf Euringer

Durchschnittlich zehn Patienten durchlaufen am Tag die kathetergeführte Therapie der Radiologie des Herz- und Gefäßzentrums Bad Bevensen (HGZ). Dabei werden Bilder des zu behandelnden Körperteils erzeugt, sodass der Arzt, der den Eingriff minimalinvasiv – also ohne großen Schnitt und über Katheter operiert – durchführt, den Fortschritt stets im Blick hat. „Man kann so immer genau sehen, was im Körper passiert – Eingriffe dieser Art werden immer häufiger durchgeführt, die technischen Möglichkeiten werden immer besser“, erklärt Dr. Wulf Euringer und deutet auf einen Bildschirm, im Vorzimmer des Röntgensaals, in dem Teile des Teams abgeschirmt durch eine Bleiglasscheibe den Eingriff überwachen. „Die Strahlenbelastung ist ähnlich der einer Computertomographie. Die Angst, die ein Patient vor den Strahlen vielleicht hat, können wir relativeren. Die Behandlung hat keine schädliche Wirkung“, betont Euringer. Die Strahlenbelastung habe sich in den vergangenen Jahren deutlich reduziert. Dass sich das Krankenhaus-Personal mit Blei schützt, während die Patienten ohne Vorkehrung behandelt werden, hat einen logischen Grund – die Quantität. Euringer: „Der Patient wird eine halbe Stunde bis zwei Stunden operiert – mit davon 5 bis 10 Minuten Röntgenzeit. Wir führen den ganzen Tag über Röntgenuntersuchungen durch."

Seit 1. Januar ist der 48-jährige Euringer der neue Chefarzt der Radiologie des HGZ – und interventionelle Eingriffe sind sein Steckenpferd. „Ich bin geholt worden, um die Katheterverfahren weiter auszubauen. Das HGZ als Zentrum für die Behandlung jeglicher Art von Herz- und Gefäßkrankheiten baut seine Expertise immer weiter aus“, sagt Euringer. Röntgenaufnahmen spielen dabei nicht nur in der Diagnostik – wie es der Laie vom Klassiker Beinbruch kennt –, sondern eben auch in der Therapie eine zunehmend große Rolle. Ein Beispiel wäre die pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit) – umgangssprachlich als „Schaufensterkrankheit“ bekannt –, bei der die Patienten aufgrund einer Gefäßverstopfung oder -verengung nur noch unter Schmerzen und wenige Meter gehen können. „Unser Ziel ist es, Amputationen zu vermeiden. Durch unsere Methode können wir nicht nur die großen zuleitenden Gefäße, sondern auch sehr viel feinere Gefäße, deutlich unter einem Millimeter Durchmesser, mitbehandeln“, sagt Euringer.

Er wolle die Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie mit Hilfe der Radiologie weiter ausbauen, den Gerätepark des HGZ erweitern und neue Verfahren etablieren. Mittelfristig solle auch die Magnetresonanztomographie (MRT) eine Rolle spielen. Dabei werden Schnittbilder des Körpers erstellt, an denen der Arzt Informationen über Funktion und Struktur des Gewebes ablesen kann. Bereits dieses Jahr will Euringer die Computertomographie-Verfahren erweitern. „Auch bei dieser Untersuchungsmethode ist es möglich, über das Äußere hinaus Informationen über die Funktionen zu erlangen.“

Von Wiebke Brütt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare