„Eine Meisterleistung“

Kleine Maus macht großen Augen: Martje, die mit Mama Jana Stülp in die „Villa Lilliput“ gekommen war, staunte nicht schlecht.

Bad Bevensen. Die Wände der großzügigen Räume in dem roten Backsteinhaus sind in freundlichem Orangeton gestrichen, man geht auf warmem Korkfußboden. Und blickt man durch die großen Fenster mit den weißen Holzläden nach draußen in den Garten, sieht man eine riesige Sandkiste, die einmal ein Teich gewesen ist: Die „Villa Lilliput“ an der Jahnstraße 47 in Bad Bevensen hat gestern offiziell ihre Türen geöffnet. Die Betreuungseinrichtung wird, wie berichtet, von den drei großen Kliniken der Stadt – DianaKlinik, Herz- und Gefäßzentrum (HGZ) sowie Klinik Lüneburger Heide – getragen.

Detlef Gosselk, mit seiner Familie, Träger des HGZ, erinnerte an die Anfänge „seiner“ Klinik, die noch der Vater aufgebaut hatte, und betonte, dass es im Laufe der Jahre immer wichtiger geworden sei, den dringend benötigten Fachkräften auch entsprechende soziale Anreize zu bieten. Nachdem die „Villa Kunterbunt“ am ehemaligen Hamburgischen Krankenhaus vor einigen Jahren, wie berichtet, geschlossen worden war, steckten die Kliniken in einem Dilemma: Für die – vor allem weiblichen – Mitarbeiter wurde es wegen der speziellen Arbeitszeiten in den Häusern immer schwieriger, eine geeignete Betreuung für ihre Kinder zu finden.

Vor zwei Jahren machten sich deshalb Mitarbeiterinnen daran, eine Möglichkeit für eine Kindertagesbetreuung zu suchen. Und sie haben sie gefunden. „Das war eine Meisterleistung“, lobte Gosselk die Damen um Karin Lawitschka, denn die hatten so manche Hürde zu nehmen und so manche kniffelige Gespräche zu bestehen, bis endlich das Haus Nummer 47 an der Jahnstraße angemietet werden und renoviert werden konnte.

Anett Koch und Karin Gründemann sind zwei qualifizierte Tagesmütter, die dort zurzeit acht Kinder im Alter von null bis sechs Jahren betreuen. Sogar eine Betreuung bis zum 14. Lebensjahr ist hier möglich. Und all das in den Betreuungszeiten von 6.15 bis 17.30 Uhr.

Während die ersten Kinder gestern völlig versunken in ihre Sandkisten-Buddelei waren, betonte Heinz-Josef Schüler, stellvertretender Geschäftsführer der DianaKlinik, dass man „Feuer und Flamme“ für dieses im Landkreis bislang einmalige Projekt sei, weil es schlichtweg eine Notwendigkeit dafür gebe, um adäquates Fachpersonal gewinnen und halten zu können. „Wir hoffen, dass es einen langfristigen Erfolg für alle drei Kliniken gibt“, wünschte er.

Gisela Hasselhorst, kaufmännische Leiterin der Klinik Lüneburger Heide versicherte ebenfalls, sie habe das Projekt „mit Freude begleitet“ und vor allem als Gleichtstellungsbeauftragte in ihrem Hause freue sie sich, dass die „Villa Lilliput“ – nicht zuletzt durch Unterstützung der Koordinierungsstelle Frau & Wirtschaft in Uelzen, die gestern durch Andrea Zobel vertreten war – Wirklichkeit werden konnte.

Glückwünsche gab es auch noch vom Ersten Kreisrat Heiko Blume und Stadtdirektor Knut Markuszewski. Blume sah die neue Betreuungseinrichtung auch als eine Art Wirtschaftsförderung, denn sie sorge unter anderem dafür, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. „Hier wurde gemeinsam Großes für die kleinen Leute geschaffen“, schwärmte Blume.

Weitere kleine Gäste sind übrigens willkommen. Bis zum 31. Dezember dieses Jahres sind in der „Villa Lilliput“ noch klinikenunabhängige Plätze frei. Weitere Informationen geben Anett Koch und Karin Gründemann unter Telefon (0 58 21) 9 76 60 63.

Von Ines Bräutigam

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