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St.-Mauritius in Altenmeldingen – eine Kirche ohne Bänke

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Pastorin Julia Koll spielt in der leergeräumten St.-Mauritius-Kirche Trompete.
Pastorin Dr. Julia Koll stimmt auf der Trompete ein Weihnachtslied an. Die Melodie hallt von den Wänden der freigeräumten St.-Mauritius-Kirche in Altenmedingen wider. © Sternitzke, Gerhard

Kleine Revolution in der Altenmedinger St.-Mauritius-Kirche: Die Kirchenbänke sind weg, eingelagert in einer Scheune. Die Veränderung bringt große Möglichkeiten mit sich.

Altenmedingen – Pastorin Julia Koll holt ihre Trompete hervor. Die Töne hallen von den weiß getünchten Wänden des historischen Gotteshauses wider. „Eine tolle Akustik. Man könnte auch kulturell viel mehr machen“, sagt die Pastorin. Man merkt ihre Begeisterung. „Der Raum wirkt ganz anders, man hat ganz andere Möglichkeiten.“ Meditation, Tanz, Stationengottesdienste – mehr Leben soll in die Kirche einziehen.

Der Anlass der Veränderung ist – wie so oft in dieser Zeit – die Corona-Pandemie. Der kirchliche Posaunenchor suchte einen großen Übungsraum. Den stellte der Kirchenvorstand gerne zur Verfügung, zumal sich das oberste Gremium schon vorher Gedanken gemacht hatte, den Kirchenraum flexibler zu nutzen. Die Maßnahme ist auf ein halbes Jahr befristet.

Zunächst wirkt das Kirchenschiff, von den Bänken befreit, sehr groß. Jedes gesprochene Wort wird von den Wänden mit den gotischen Spitzbögen leise zurückgeworfen. So ähnlich mag es hier ausgesehen haben, als die Nonnen des einstigen Klosters ihre Gottesdienste feierten. Bänke gab es nicht in den mittelalterlichen Kirchen. Die Gläubigen mussten stehen oder knieten im Gebet. Erst als durch die Reformation die Predigt in den Mittelpunkt rückte, wurden irgendwann Sitzgelegenheiten für die Gemeinde geschaffen, so Pastorin Koll.

Da waren die Nonnen lange weitergezogen. Küsterin Sigrid Voigts kennt die wichtigsten Daten zur Geschichte ihrer Kirche. Zisterzienserinnen aus Wolmirstedt bei Magdeburg gründen 1237 im nahe gelegenen Bohndorf ein Kloster. Als ihr Propst 1241 erschlagen wird, begeben sie sich in den Schutz der Ritter von Meding, deren einfache Feldsteinkirche sich noch im hinteren Teil des Gemäuers abzeichnet. Das Kloster gewinnt an Wohlstand, und so lässt sich der Konvent im 14. Jahrhundert einen neuen Chor im damals modernen gotischen Stil errichten, der mit seinem Gewölbe deutlich höher war als heute. Kurz darauf, 1336, wandern die Nonnen weiter nach Zellensen, ins heutige Medingen.

Ohne die Kirchenbänke wird die Zeit des Nonnenklosters wieder spürbar. Allerdings müssen die Gläubigen beim Gottesdienst am ersten Weihnachtsfeiertag – Heiligabend wird auf der Wiese vor der Kirche gefeiert – nicht stehen. Stühle stehen schon bereit. Pastorin Koll und Küsterin Voigts wollen sie jedoch in Halbkreisform aufstellen. So soll ein neues Gemeinschaftsgefühl entstehen.

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