Demenzdorf für Bad Bevensen: Idee stößt auf Kritik bei dem SoVD

Einbeziehen statt einzäunen

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Unter Erkrankten und von Pflegekräften unterstützt oder eingebunden in das Umfeld Gesunder? Darüber, wie Demente am besten versorgt werden, gibt es verschiedenste Ansichten.

Bad Bevensen. „Welche guten Ansätze haben die Stadt, ihre Bürger und die einschlägigen Organisationen vor Ort im vergangenen Jahr zur Inklusion auf den Weg gebracht!

Und nun wird mit dem Vorschlag der Errichtung eines eingezäunten Dorfes für Demenzerkrankte genau der entgegensetzte Weg ins Visier genommen“ – Katja Krüger ist sauer. Als zweite Vorsitzende der SoVD-Kreisgruppe Uelzens, Beisitzerin der SoVD-Ortsgruppe Bevensens und Mitglied der Gruppe Ehrenamtlicher, die seit vergangenem Jahr am „Aktionsplan Inklusion“ für Bad Bevensen arbeiten, stößt ihr die Idee eines Demenz-Dorfes übel auf. Denn das Konzept, das die Arbeitsgruppe um die Bad Bevenser Hans-Peter Hellmanzik (SPD) und Ellen Laas (SPD) gemeinsam mit dem Demenz-Fachmann Dr. Tomas Müller-Thomsen nach Vorbild des Niederländischen Pflegedorfes „De Hogeweyk“ auf Bad Bevensens umgemünzt haben, stehe dem Inklusionsgedanken entgegen. Dieser besagt nämlich, dass allen Menschen die gleiche Teilhabe am Alltag ermöglicht werden solle. Um das Stück für Stück zu gewährleisten, entwickeln Krüger und die anderen Teilnehmer des Projekts „Aktionsplan Inklusion“ Maßnahmen, um bauliche Hindernisse und Barrieren im Kopf abzubauen.

Der Gedanke, in einem durch einen Zaun abgegrenzten Wohnkomplex Menschen mit Demenz unterzubringen, widerstrebt Katja Krüger – auch wenn die Demenz-Erkrankten dadurch möglichst lange ihrem gewohnten Lebensstil nachgehen können sollen. „Es ist so ein Reflex von Gesunden, zu denken, dass sie immer wissen, was gut für andere ist“, sagt Krüger. „Es ist ja auch gut, dass überlegt wird, wie man mit Demenzerkrankten umgeht – aber bitte nicht so.“ Die Idee vom Demenzdorf, in dem Erkrankte in Wohngruppen und mit Unterstützung von ausgebildetem Fachpersonal und Ehrenamtlichen ihren Alltag bestreiten sollen, zeige „wie lang der Weg zu einer inklusiven Kommune ist“. „Und es zeigt sich deutlich: Inklusion fängt in den Köpfen an“, sagt Katja Krüger. „Es ist auch kein Trost, dass ein Demenzdorf in den Niederlanden bereits erfolgreich betrieben wird. Die Inklusion dementer Patienten und Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse können zum Beispiel in der Schaffung einer Gartenlandschaft bestehen, in der Demente und nicht Erkrankte miteinander gärtnern. Ohne Zaun und ohne Abgrenzung, mit sozialem Lernfaktor, einer Menge Spaß und als ein Markenzeichen für Bad Bevensen auf dem Weg zur inklusiven Kommune.“

Hintergrund: Die Arbeitsgruppe um Hans-Peter Hellmanzik hat vergangene Woche ihr Konzept für ein Demenzdorf in der Kurstadt vorgestellt. Demnach könnte eine Wohnanlage für 150 bis 300 Demenzerkrankte entstehen. Gespräche mit möglichen Betreibern und Investoren laufen. Die Standortfrage ist noch nicht geklärt.

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