Altenmedinger Kai Pokall gründet mitten im Corona-Lockdown einen Getränkenotdienst

Ein Taxi gegen den plötzlichen Durst – Getränkenotdienst aus Altenmedingen

Statt Fahrgästen nimmt das Dursttaxi des Altenmedingers Kai Pokall ausschließlich Getränke und Chips an Bord. Zu Silvester hat der Unternehmensgründer bereits 350 Kilometer zurückgelegt.
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Statt Fahrgästen nimmt das Dursttaxi des Altenmedingers Kai Pokall ausschließlich Getränke und Chips an Bord. Zu Silvester hat der Unternehmensgründer bereits 350 Kilometer zurückgelegt.
  • Gerhard Sternitzke
    VonGerhard Sternitzke
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Altenmedingen – Ein kleines gelbes Taxischild klebt auf dem Autodach, aber einsteigen kann man nicht. Kai Pokall öffnet die Schiebetür seines kleinen, silbernen Opel-Lieferwagens. Anstelle der Sitze stehen da, sauber aufgereiht, Kisten mit Bier, Cola und anderen Getränken.

In Kartons liegen Chipstüten bereit. Darüber eine kleine Lichterkette. „Dursttaxi“ nennt Pokall seine Geschäftsidee.

Allein in der Silvesternacht hat der Altenmedinger 350 Kilometer zurückgelegt, um den spontanen Durst seiner Kundschaft zu stillen. Kaum zu glauben, wie viele Menschen an diesem Abend feststellen, dass sie keinen Sekt im Kühlschrank haben.

Ich bin kein Rumsitz-Typ. Ich glaube nicht, dass ich davon reich werde, aber ich habe zu tun.

Kai Pokall, Gründer
Was seine Zielgruppe konsumiert, weiß der 45-Jährige, der mit seiner Eventagentur auch Diskotheken betreut.
Bislang sitzt Pokall allein am Steuer seines Opel-Lieferwagens. Zwei Aushilfsfahrer stehen bereit.

„Wenn Ihnen mal die Getränke ausgehen und Sie haben keine Lust mehr zum Einkaufen...“, bietet Pokall an. Und fügt hinzu: „Genau das ist meine Zielgruppe.“ Im Dezember, mitten im Lockdown, ist der 45-Jährige mit dem Dursttaxi gestartet. Dabei orientiert er sich an den Pizza-Lieferdiensten, die von der Bequemlichkeit ihrer Kunden leben und spontane Bedürfnisse zu einer Zeit stillen, wenn Supermärkte und Tankstellen geschlossen sind. Er bezeichnet sein Unternehmen deshalb auch als Getränkenotdienst. Sogar Kaffee in Thermoskannen hat er im Angebot.

Was seine Kundschaft in der Zeit von 21 bis 1 Uhr nachts konsumiert an Bier, Sekt, Spirituosen und Alkoholfreiem, weiß Pokall aus erster Hand. Mit seiner Künstleragentur MS Booking mit Sitz in Lüneburg vermittelt er in coronafreien Zeiten DJs und Schlagersänger. Über 100 Künstler hat er unter Vertrag. Für manche Diskothek, deren Events er organisiert, hat er aber auch schon die Getränkekarte zusammengestellt. Auf diese Erfahrung kann er jetzt zurückgreifen.

Bei den Preisen orientiert sich Pokall an denen von Tankstellen. Der späte Service kostet eben extra. Die Region zwischen Lüneburg, Bleckede, Rosche und Uelzen hat er in Ringe eingeteilt wie in einem Busfahrplan. Je nach Bestellregion setzt der Unternehmensgründer unterschiedliche Mindestbestellwerte an.

Bei der Auslieferung trägt Pokall coronakonform stets Maske. Er bietet auch eine kontaktlose Zustellung an. Die Kunden können im Internet mit Kreditkarte oder per Paypal bezahlen.

Bislang sitzt Pokall ausschließlich selbst am Steuer des Lieferwagens, der in der nächsten Woche eine auffällige Taximarkierung in Gelb und Schwarz erhält. Zwei Aushilfsfahrer stehen in Reserve. Aber für die Zukunft schließt er eine Ausweitung nicht aus. „Immer groß denken!“, ist Pokalls Maxime. „Mir macht es Spaß. Man trifft viele Leute.“

Erste Erfahrungen im Liefergewerbe hat Pokall bereits erworben. Weil er in Lüneburg gleichzeitig einen kleinen Paketshop unterhält, hat sich daraus ein kleiner Transportservice für Senioren und Apotheken entwickelt. Nun hat er ein eigenes Lager für das Dursttaxi angelegt und den Lieferwagen angeschafft. Im Lockdown die Hände in den Schoß legen und auf Hilfszahlungen zu warten, das liegt ihm nicht. „Ich bin kein Rumsitz-Typ. Ich glaube nicht, dass ich davon reich werde, aber ich habe zu tun.“

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