Fotojournalist Jürgen Ritter dokumentiert Veränderungen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze

„Ein Buch der Freude“

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1985: Die Elbe bei Bleckede mit DDR-Grenzboot. Auf der Ostseite der Elbe liegt der Ort Bleckede. Während der deutschen Teilung lagen die Stadtteile Neu Bleckede und Neu Wendischthun innerhalb der DDR. Infolge der Wiedervereinigung wurden die beiden Ortschaften 1993 wieder Teile der Stadt Bleckede.

Barum. „Das ist kein Buch über die Grenze, sondern ein Buch der Freude über die Veränderungen“, sagt Jürgen Ritter und durch seine Hände gleiten Seiten voller Erinnerungen.

2010: Die Elbe bei Bleckede mit Fähre.

150-Bildpaare hat der Barumer Fotojournalist gemeinsam mit dem Autor Peter Joachim Lapp zu einem Buch mit dem Titel „Deutschland grenzenlos – Bilder der deutsch-deutschen Grenze, damals und heute“ zusammengestellt. 150 Bildpaare, die dokumentieren, wie die ehemalige innerdeutsche Grenze einmal ausgesehen hat und wie sich die Landstriche innerhalb von 20 oder 30 Jahren verändert haben – denn diese Zeitspanne liegt teilweise zwischen den ersten Aufnahmen und dem Moment, in dem Ritters Weg ihn erneut an den Ort führte, an dem er in den 1980er Jahren die Kamera zur Hand nahm. „Es ist überwältigend, an einer Straße zu stehen und zu sehen, wie ein Porsche mit offenem Verdeck dort fährt, wo einmal die Grenze war“, beschreibt Ritter nur eine Szene, die er im Bild festgehalten hat und die ihn noch immer anrührt.

Etwa sieben Jahre habe er an der Zusammenstellung gearbeitet – die Grundlage für das Buch jedoch, reicht weiter zurück. Über Jahre – vor und nach dem Mauerfall – behielt er die Grenze und den späteren Wandel von Natur, Architektur und Landschaftsbild im Blick. Begleitend skizzieren sie die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Veränderungen, die seit dem Mauer- und Grenzfall von 1989 eingetreten sind.

Jürgen Ritter

Über das Anknüpfen ans Heute versucht er diesen Teil der deutschen Geschichte greifbar zu machen, ihn in die Lebenswirklichkeit auch der jüngeren Menschen zu holen – ohne dabei den Rückblick zu vergessen. So schicken Ritter und Lapp der Gegenüberstellung der Fotografien von gestern und heute einen kurzen geschichtlichen Abriss vorweg, um danach den Bogen ins Heute zu spannen – zu dem Wachturm, der inzwischen in einen Spielplatz eingebunden ist, oder zu dem ehemaligen Grenzstreifen, den die Natur komplett überwachsen hat. „Ich habe immer versucht, die Grenze in all ihrem Idyll zu zeigen und gleichzeitig zu bewirken, dass dem Betrachter ihre Bedeutung, die schreckliche Bedeutung, bewusst wird“, sagt Jürgen Ritter. Seine „Abschlussarbeit“ – so bezeichnet der 1949 geborene Grenzfotograf das Buch, das voraussichtlich Ende des Monats erscheinen soll – wird auf der Leipziger Buchmesse erstmals dem Publikum präsentiert. 2007 erhielt Jürgen Ritter in der Kategorie „Menschen“ den „Einheitspreis - Bürgerpreis zur Deutschen Einheit“, den die Bundeszentrale für politische Bildung vergibt.

Von Wiebke Brütt

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