LTE-Berater versetzen Gemeinde Jelmstorf in Aufruhr / Vodafone kündigt Konsequenzen an

Drohungen an der Haustür

Bestehende Mobilfunktürme wurden aufgerüstet, um die schnelle Internetverbindung auch in die Fläche zu bringen – das Vertriebsgebaren der von Vodafone beauftragten Agenturmitarbeiter sorgt in der Gemeinde Jelmstorf zurzeit allerdings für Unmut. Foto: dpa

Jelmstorf. Norbert Brandl hatte es schon vor einem halben Jahr kommen sehen. Damals, als der Mobilfunkbetreiber Vodafone den Startschuss gab, um die Gemeinde Jelmstorf mit der schnellen LTE-Verbindung zu versorgen, hatte der Bürgermeister betont:

„Ich will hier aber keine Drückerkolonnen haben. “ Doch offenbar wurde er nicht erhört. „Jetzt sind die da“, seufzt Brandl. Denn in seiner Gemeinde sorgen dieser Tage Personen für Unruhe, die an den Haustüren der Einwohner klingeln und für Vodafone Verträge abschließen wollen.

Das Vorgehen zumindest mancher dieser Personen scheint fragwürdig zu sein. So fühlte sich ein Bürger aus Bruchtorf am Freitag eindeutig bedroht, wie er gegenüber der AZ schildert. Nachdem er nämlich den Unbekannten in roter Vodafone-Jacke gebeten hatte, das Grundstück zu verlassen, sei dieser massiv geworden: „Er meinte, ich würde nur noch drei Monate Fernsehen und DSL haben und ich müsste einen neuen Vertrag bei ihm abschließen“, schildert der Bruchtorfer. „Er wurde richtig aggressiv und hat gedroht, er käme heute Abend wieder und dann hätte ich keine Fenster mehr...“ Der Bruchtorfer hat daraufhin Anzeige bei der Polizei erstattet.

Bürgermeister Norbert Brandl weiß, dass es weiteren Unmut in seiner Gemeinde gibt. Auch andere Einwohner haben sich schon bei ihm über die Vodafone-Vertreter beklagt. Einer der Männer in den roten Jacken habe sich anfangs bei ihm vorgestellt und beteuert, man werde die Einwohner nur über das neue Angebot informieren. „Ich habe gesagt, dass ich nichts davon halte“, sagt Norbert Brandl, „aber ich kann die ja nicht davon abhalten.“ Es habe dann gerade mal einen halben Tag gedauert, da klingelte auch schon das Telefon des Bürgermeisters. „Bewohner in Seedorf riefen mich an und wollten von mir wissen, warum ich denen diese Leute schicke.“ Denn die Vertriebsmitarbeiter hätten angegeben, mit dem Bürgermeister gesprochen zu haben und suggeriert, dass der sein Ok für das Durchmessen von Leitungen gegeben habe.

Norbert Brandl hat sich bereits bei Vodafone über die Situation beschwert. „Der Betrieb der LTE-Leitungen läuft, und diejenigen, die das nutzen, sind begeistert – darüber freuen wir uns sehr“, sagt der Bürgermeister. „Wenn aber jemand Interesse an dem Angebot hat, kann er sich an örtliche Firmen wenden.“

In der Vodafone-Zentrale in Düsseldorf versucht man gestern derweil, dem Problem in Jelmstorf auf die Spur zu kommen. Bei den Personen, die vor Ort an den Haustüren klingeln, handelt es sich um so genannte Medienberater von Agenturen, die von Vodafone beauftragt werden, erklärt Bernd Hoffmann, Leiter Regionalpresse, auf Nachfrage der AZ. Und bei diesen Agenturen lege man Wert auf eine hohe Qualität.

Sein Kollege Oliver Bock, Regionalleiter für das Privatkundengeschaft bei Vodafone Deutschland, betont deshalb: „Wir nehmen die vorgetragenen Beschwerden sehr ernst. Denn Offenheit, Transparenz und eine fundierte Beratung haben für uns höchste Priorität.“ Man werde den Vorwürfen nachgehen und sie „restlos aufklären“. „Sollten sich diese bestätigen“, so Bock, „wird Vodafone umgehend Konsequenzen ziehen. Denn bei Unregelmäßigkeiten dieser Art zeigen wir grundsätzlich keinerlei Toleranz.“

Obendrein will Vodafone die Jelmstorfer Bürger noch einmal über das Thema LTE und seine Möglichkeiten informieren und auf alle ihre Fragen eingehen. „Hierfür planen wir derzeit eine entsprechende Informationsveranstaltung“, kündigt Oliver Bock an.

Von Ines Bräutigam

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