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Drogenkonsum löscht Erinnerungen des Zeugen

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Cannabis/Marihuhuana
Weil er sehr viel Marihuana geraucht hat, zeigt ein 22-jähriger Zeuge im Prozess vor dem Landgericht Lüneburg gegen einen mutmaßlichen Drogendealer, umfangreiche Erinnerungslücken. © Symbolfoto: Imago

Drogenkonsum macht Dealer, das zeigt sich gestern im Landgericht Lüneburg, wo sich ein junger Mann aus der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf wegen des Handels mit Drogen verantworten muss. Am zweiten Verhandlungtag gegen den 23-jährigen W. hat es die vorsitzende Richterin Silja Precht mit umfassenden Gedächtnislücken zu tun.

Lüneburg – Zwei Zeugen betreten das Gericht in Polizeibegleitung, weil sie am ersten Verhandlungstag unentschuldigt fehlten. Der eine kennt W. noch von der gemeinsamen Schulzeit an der Theodor-Heuss-Realschule in Uelzen, nur zum verhandelten Fall kann er nichts beitragen. „Ich habe zu dieser Zeit sehr viel Drogen konsumiert. Insofern habe ich große Gedächtnislücken“, erklärt der 22-Jährige, der selbst wegen Betäubungsmittelhandels verurteilt ist.

„Können oder wollen Sie sich nicht erinnern?“, ermahnt ihn die Richterin. „Ich habe diese Zeit so eine Unmenge von Gras konsumiert. Wie soll ich mich daran erinnern? Das ist alles weg“, beharrt der Zeuge. Silja Precht konfrontiert ihn daher mit seinen eigenen Aussagen.

Vor dem Amtsgericht Uelzen habe er von einem Treffen am Hammersteinplatz erzählt. Daraufhin habe W. ihm regelmäßig einmal in der Woche Stoff verkauft. „Daran kann ich mich nicht erinnern“, wiederholt der Zeuge. „Aber wenn es da so steht, wird es stimmen.“

Konsument lässt sich in Uelzen als Händler anwerben

Vor dem Amtsgericht erinnerte er sich noch an ein weiteres Treffen am Uelzener Ratsteich. „Er hat mitgekriegt, dass es mir finanziell schlecht geht, und er hat mich gefragt, ob ich für ihn laufen wollte“, so seine damalige Aussage. „Ich wollte eigentlich nicht, aber es ist dann doch so gekommen.“ Jede Woche 50 Gramm Marihuana von dem Angeklagten habe er weiterverkauft. Die Droge soll von guter Qualität gewesen sein.

Zweifel an der Aussage sät Verteidiger Rüdiger Proest. So zugedröhnt hätte er wohl nicht sein können, sonst wäre er nicht in der Lage gewesen, selbst mit Drogen zu handeln, meint der Anwalt.

W. soll laut Staatsanwaltschaft mit Marihuana, Haschisch und Amphetaminen gehandelt haben, in einem Fall habe er den Stoff auch an einen Minderjährigen verkauft. 30 Taten werden ihm zur Last gelegt, mit denen der 23-Jährige über 40 000 Euro eingenommen haben soll.

Der zweite Zeuge behauptet, den Angeklagten nicht zu kennen. Er selbst kam bei einer Verkehrskontrolle mit Drogen ins Visier der Polizei. Das vom Gericht verhängte Ordnungsgeld von 150 Euro wegen Nichterscheinens muss er dennoch zahlen.

Zeuge muss sich selbst vor Gericht verantworten

Vor- und Nachteil des Verfahrens sind die teilweise parallel laufenden Verfahren gegen Zeugen aus dem Umfeld des Angeklagten. Richterin Precht belehrt auch den dritten Zeugen, dass er keine Aussagen machen muss, mit denen er sich belasten könnte. Da er gerade selbst in einem Drogenprozess angeklagt ist, macht er von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Auf W. wurde die Polizei wohl aufmerksam, nachdem französiche Behörden den verschlüsselten Messengerdienst Encrochat geknackt hatten. Auch der Angeklagte soll ein Kryptohandy des Dienstes genutzt haben. Ziel eines großangelegten Einsatzes der Polizei war auch seine damalige Wohnung in einem Winsener Ortsteil

Dabei wurden auch ein Teleskop-Schlagstock sowie Schlagschutzhandschuhe beschlagnahmt. Die Beweismittel werden gestern in der Verhandlung von Richterin Precht in einer durchsichtigen Tüte vorgezeigt. Der Angeklagte verzichtet auf die Rückgabe.

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