Dringendes Bedürfnis

Bad Bevensen: Taxifahrerin sucht im Lockdown vergeblich eine öffentliche Toilette

Ein Zettel zeigt: Die Toiletten im Bad Bevenser Kurhaus sind seit Mittwoch nicht mehr zugänglich.
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Die Toiletten im Bad Bevenser Kurhaus sind seit Mittwoch nicht mehr zugänglich, wie ein Zettel in der Tür mitteilt – eine Folge des Lockdowns. Taxifahrerin Gudrun Dolff war in Corona-Zeiten auf der Suche nach einem WC.
  • Gerhard Sternitzke
    vonGerhard Sternitzke
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Was ist, wenn man ein ganz menschliches Bedürfnis verspürt – und die Toiletten zu Hause oder in der Firma sind unerreichbar? Im Lockdown musste diese Erfahrung jetzt eine Taxifahrerin in Bad Bevensen machen.

  • Im Lockdown in Bad Bevensen sind keine öffentlichen Toiletten mehr nutzbar.
  • Das musste nun auch Taxifahrerin Gudrun Dolff aus Braunschweig in der Kurstadt erleben.
  • Stadt- und Landkreis-Sprecher nehmen Stellung und nennen Alternativen.

Aber was ist, wenn man ein ganz menschliches Bedürfnis verspürt – und die Toiletten zu Hause oder in der Firma sind unerreichbar?

Gudrun Dolff ist in Braunschweig Taxifahrerin. Am Mittwoch – es ist der erste Tag, an dem das gesellschaftliche und Wirtschaftsleben noch einmal drastisch heruntergefahren wird – übernimmt sie einen Krankentransport nach Bad Bevensen. Ihren Fahrgast liefert die 61-Jährige nach rund 100 Kilometern Fahrt sicher ab. Aber die Toilette in der Klinik darf sie nicht benutzen. Zum Schutz der Patienten vor dem Coronavirus müssen Externe draußen bleiben.

Die Fahrerin wird stattdessen auf die öffentlichen Toiletten im Kurhaus verwiesen. Die sind nicht weit, aber dennoch unerreichbar. Zu den Einrichtungen, die im Rahmen der Corona-Beschlüsse schließen mussten, gehört auch die Tourist-Info – und damit ist auch das Kurhaus zu.

Nun verweist man Gudrun Dolff auf die Toilette auf dem Göhrdeparkplatz. Doch die Taxifahrerin sieht nur die Vorhängeschlösser an den Münzautomaten und denkt, auch hier sei nichts zu machen. Auch an zwei Tankstellen darf die Taxifahrerin das WC nicht benutzen. Wegen Corona, wie es heißt. Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als ihre letzte Rettung außerhalb der Kurstadt im Wald zu suchen. Aus ihrer Sicht ein Unding.

„Alle Toiletten schließen. Ich finde das unmöglich. Was macht man dann?“, fragt Gudrun Dolff. „Oder muss man, wenn man Bad Bevensen besucht, seine Pampers einpacken?“

Stadtsprecher Jörn Nolting bedauert es, dass Menschen im Lockdown in unangenehme Situationen geraten können. Bis zum Lockdown habe die BBM das Kurhaus mit seiner Toilettenanlage offen gehalten. Sie steht nun nicht mehr zur Verfügung. Ebenso wie das WC am Bahnhof, das wegen eines Schadens durch Brandstiftung schon länger geschlossen ist. Hier habe man die Versicherungsabwicklung abwarten müssen.

Weiterhin geöffnet sind laut Nolting aber die öffentlichen Toiletten am Kiosk Rathausstraße, am Göhrdeparkplatz und im Kurpark. Trotzdem kann es in der Innenstadt mit den geschlossenen Lokalen mal eng werden, räumt der Sprecher ein. „Aber wenn jemand vor dem Rathaus steht und dringend eine Toilette sucht, lässt man den bestimmt kurz rein.“

In der aktuellen niedersächsischen Corona-Verordnung gibt es keinen Paragrafen, der eine Schließung öffentlich zugänglicher Toiletten verlangt, betont Landkreis-Sprecher Martin Theine: „Gewerbetreibenden wie zum Beispiel Supermärkten, wenn es sich nicht um öffentliche Toiletten handelt, bleibt die Entscheidung, Toiletten zur Verfügung zu stellen, selbst überlassen.“ Und er stellt weiter klar: „Da Tankstellen weiterhin geöffnet sind, besteht kein Grund zur Schließung der dort befindlichen Toiletten.“

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