„Wir arbeiten am Limit“

Dr. Martin Vietor schließt Warteliste für das Impfzentrum Bad Bevensen

Dr. Martin Vietor im Bevenser Impfzentrum im Wandelgang.
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Nach 4385 Impfungen im Wandelgang schließt Dr. Martin Vietor die Warteliste. Die Belastungsgrenze für die medizinischen Fachangestellten ist erreicht.

Zwei Kabinen aus grünen und weißen Stellwänden, Tische und Stühle für die ärztliche Beratung, eine Liege für Notfälle: Seit April ist das Bevenser Impfzentrum im Wandelgang in Betrieb. Bis Ende Januar sind die Impftermine geplant. Dr. Martin Vietor zieht jetzt die Notbremse. Er hat jetzt die Warteliste mit fast 600 Namen geschlossen.

Bad Bevensen – Seit dem Start hat das Hausarztzentrum Bad Bevensen 4385 Impfungen durchgeführt. Bei der Praxis von Dr. Katharina Kirsche waren es 3700 Impfungen.

Booster-Impfungen, Grippe-Impfungen und eine starke Infektwelle

„Wir können nicht mehr als arbeiten“, sagt der Bevenser Hausarzt in zweiter Generation. Jetzt kommt alles zusammen: die Booster-Impfungen gegen Corona, die Grippe-Impfungen, die außergewöhnlich frühe und starke Infektwelle. Wöchentlich 300 Patienten werden der Infektionspraxis behandelt. Das Hausarztzentrum hat bereits zwei Ärzte im Ruhestand aktiviert, darunter Vietors Vater Dr. Johann Henrich Vietor. Die Sprechstunden in der Zweigstelle in Himbergen mussten bereits eingeschränkt werden.

„So wie jetzt der Ansturm ist, werden wir ihn nicht bewältigen. Wir können die kranken Patienten nicht allein lassen“, sagt Vietor. „Es bringt nichts, wenn ich wegen der Impfungen einen Herzinfarkt übersehe.“

Die medizinischen Fachangestellten seien im Dauerstress. „Wir haben ein Dreivierteljahr Vollgas gegeben. Das ist so nicht weiter durchzuhalten. Mein Team kann nicht mehr“, berichtet Vietor. „Wir arbeiten am Limit.“ Dazu kommt der ruppige Ton vieler Patienten, die nicht verstehen, dass sie nicht sofort geimpft werden können. „Die Arzthelferinnen sind die Prellböcke.“

Dennoch wird Vietor die Corona-Impfungen nicht komplett einstellen, vielleicht sogar einzelne Sonnabend-Impfaktionen anbieten. „Das ist unsere moralische Verantwortung zu impfen“, stellt Vietor klar.

Vietor fordert, dass auch andere Ärzte impfen

Gleichzeitig findet er, dass nicht nur ausschließlich die Hausärzte, sondern auch andere Mediziner sich an den Corona-Impfungen beteiligen können. „Es wird jede Hand gebraucht.“

Dr. Katharina Kirsche hat bereits 1300 Impftermine bis Anfang Februar vergeben. „Ein Schließen der Warteliste ist für uns keine Option, weil unsere Patienten die Impfung brauchen“, betont die Hausärztin. Allerdings impft die Praxis nur noch eigene Patienten.

Der Aufwand für die Durchführung sei enorm, aber inzwischen seien die Impftermine gut durchorganisiert, sodass mehr als ein Patient pro Minute die schützende Injektion erhält. „Das Team ist eingespielt.“

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