Mit Fahrrädern gegen Raser

Dorfbewohner in Wettenbostel wollen schnelle Autofahrer bremsen

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Auch die Figuren an der Straße tragen die Botschaft: „Langsam – für uns!“

Wettenbostel – Wettenbostel, ein Dorf, so klein, dass die meisten Autofahrer es gar nicht richtig wahrnehmen – so schnell sind sie durch. In den letzten Wochen bemerken sie ungewöhnliche Veränderungen.

Bunte Fahrräder stehen am Fahrbahnrand, als würden ihre Besitzer gleich auf die Straße einbiegen.

Eine Bank steht an der Asphaltkante. Und zwei Kinder stehen als Holzfiguren da. „Langsam – für uns!“, steht auf den Bällen in ihren Händen. Das ist die Botschaft der Dorfbewohner. Sie wollen den Verkehr bremsen.

„Hier fährt jeden Morgen jemand mit 120 Sachen durch. Wenn jemand 50 fährt, wird er überholt“, erzählt Anwohner Jan-Peter Hoth. Während er das erzählt, rauschen in kurzen Abständen die Autos durch. Der 69-jährige Rentner steht am Rand der Fahrbahn. Manche Fahrer bremsen, eine Frau im silbernen Bulli saust haarscharf an ihm vorbei.

Ein Fahrrad scheint auf die Fahrbahn der Landesstraße 234 in Wettenbostel zu rollen.

Hoth weiß es selbst: Viele Pendler nutzen die Landesstraße 234 zwischen Wriedel und Amelinghausen. Sie fahren weite Strecken und haben es eilig. „Schnell fahren wir alle“, meint der Wettenbosteler, „aber irgendwo ist eine Grenze.“ Im Haus wohnt seine vierjährige Enkelin. Der Riegel der Gartenpforte ist immer verschlossen – aus Sorge, dass etwas passieren könnte. Wenn sie in die Schule kommt, muss sie jeden Morgen zur Bushaltestelle auf der anderen Seite.

„Wir haben hier alle irgendwie Hund und Kinder“, bestätigt Maria Krewet, auf deren Hof jetzt wieder das Jahrmarkttheater spielt. Sie selbst ist Ergotherapeutin. Ihre Patienten, manche davon im Rollstuhl, steigen häufig an der Straße aus. „Es ist super gefährlich“, sagt sie.

Vom 5. bis 11. März stand der Blitzeranhänger des Landkreises im Dorf. 96-mal löste er aus. Acht Fahrer waren bis zu 75 Stundenkilometer schnell, zwei bis zu 80 Stundenkilometer, teilt Landkreis-Sprecher Martin Theine auf AZ-Nachfrage mit. 82 Verwarngelder wurden verhängt, zwölf Bußgeldverfahren eröffnet. Fahrverbote gab es nicht. Das wundert Anwohner Hoth gar nicht. Kaum dass der Blitzer stand, seien Autofahrer über Facebook gewarnt worden.

Die meisten Tempoüberschreitungen, etwa 70 Prozent, wurden aus Richtung Wriedel gemessen. Dort tauche das Ortsschild erst hinter der Kurve auf, erklärt Manuela Kapak-Wendt, Leiterin der Straßenmeisterei Uelzen. Dort sollen Tempo-70-Schilder aufgestellt werden, kündigt sie an. Die Ortsschilder sind bereits erneuert. „Wir werden die Ortsdurchfahrt anschauen, ob kleine bauliche Veränderungen möglich sind“, so Kapak-Wendt.

Die Situation sei nicht ungewöhnlich. Den Wettenbostelern hat sie deshalb geraten, den Straßenseitenraum so zu möblieren, dass die Autofahrer sehen: Da ist Leben im Dorf. Den Rat haben die Dorfbewohner beherzigt.

VON GERHARD StERNITZKE

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