Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt in Bad Bevenser KGS Ausstellung gegen Rassismus

Im Dienste der Demokratie

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Schüler der Kooperativen Gesamtschule und offizielle Gäste verfolgten gestern die Eröffnung der Ausstellung.  

Bad Bevensen. „Man muss sich um Demokratie kümmern, sonst verlässt sie einen.“

Aus diesem Grunde, so betonte die Lüneburger SPD-Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers, und weil Rechtsextremismus „auf dem Vormarsch“ sei und Menschen Ideologien anhingen, „die schon vor 70 Jahren Schrecken verursacht haben“, begrüßte sie die Ausstellung, die gestern in der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Bad Bevensen eröffnet wurde. Die Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt hier noch bis zum 24. Februar Schautafeln zum Thema „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“.

Schulleiterin Christel Auer freute sich über die Exponate, weil sie den Schülern Gelegenheit geben, sich zu reflektieren und zu positionieren. Sie ermöglichten, „eine Grundlage des Wissens zu erlangen und alternativen Fakten entgegenzuwirken“. Und dass dies in der hiesigen Region durchaus vonnöten sei, darauf wies die Landtagsabgeordneten Schröder-Ehlers hin: „Wir haben auch im Uelzener Bereich besorgniserregende Bewegungen, wie zum Beispiel die Identitären.“ Hier, sagte sie, müsse man durchaus genauer hinsehen.

Das genaue Hinsehen legte auch Dieter Thiel vom Uelzener Bündnis gegen Rechts den Schülern der KGS ans Herz. Der 73-Jährige ging ausführlich auf die Gefahren des Nationalismus ein, berichtete von Untergrabungen der Demokratie – einst auch in Uelzen. Hier seien 1933 willkürlich 38 Bürger in sogenannte „Schutzhaft“ genommen worden, willkürlich und beliebig lange.

Die Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ lädt zum genauen Hinsehen und zu Diskussionen ein.

Thiel sei „enorm in Sorge und erschüttert“, dass er sich in seinem Leben noch vor Menschen stellen müsse, um die Demokratie zu verteidigen. Doch wenn sich ein Volk abschotte und „Untergangsfantasien“ wegen der vermeintlichen Bedrohung durch Fremde entwickele, wenn eine kleine Gruppe für sich beanspruche, „das Volk“ zu sein, oder auch wenn der Tonfall heutiger Politiker – wie ganz aktuell im Fall des AfD-Manns Björn Höcke – dem der Nazis von einst ähnele, dann, so Thiel, sei die Demokratie in Gefahr. „Nationalismus führt in den Abgrund“, gab er zu bedenken und appellierte an die Gäste, sich für „eine offene, plurale Gesellschaft“ stark zu machen.

Auf diesem Weg will die Friedrich-Ebert-Stiftung die Schüler der KGS, aber auch alle andere Interessierte, begleiten. „Warum immer wieder Rechtsextremismus?“ – diese Frage beantwortete Sophia Michaelis vom Landesbüro der Stiftung in Hannover damit, das in Zeiten von NSU-Skandal, brennenden Flüchtlingsunterkünften oder der Pegida-Bewegung „neue rechte Einstellungen“ zu bemerken seien. Ängste der Menschen würden dabei instrumentalisiert, rechtsextreme Gruppen entwickelten teils große Kreativität, um neue Mitstreiter zu gewinnen. Auf dies und viele weitere Facetten des Rechtsextremismusses sollen die Schautafeln hinweisen und zu Diskussion und Nachdenken anregen.

Von Ines Bräutigam

„Enorm in Sorge“: Dieter Thiel (rechts); im Hintergrund: Wolfgang Broy (niedersächsische Landesschulbehörde), Schulleiterin Christel Auer, MdL Andrea Schröder-Ehlers und Sophia Michaelis von der Friedrich-Ebert-Stiftung (v.l.).

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