War eine Pistole im Spiel?

Opfer berichtet von Raub im Bevenser Kurviertel

Der Angeklagte M. wird in den Gerichtssaal im Landgericht Lüneburg geführt.
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Prozessauftakt wegen eines Raubüberfalls im Bevenser Kurviertel. Der Angeklagte M. legte ein Geständnis ab, bestritt aber, eine Pistole dabei gehabt zu haben.
  • Gerhard Sternitzke
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Vor dem Landgericht Lüneburg hat am 13. Juni der Prozess gegen zwei Männer begonnen, die im Januar im Bevenser Kurviertel einen Krankenpfleger in seiner Wohnung ausgeraubt haben sollen. Laut Staatsanwaltschaft kam auch eine Pistole zum Einsatz.

Lüneburg/Bad Bevensen – Nächtlicher Überfall im Bevenser Kurviertel: Kurz nachdem das Opfer die Wohnungstür an der Straße Zur Amtsheide geöffnet hat, erhält es einen dumpfen Schlag auf den Hinterkopf. Ein Tritt in die Kniekehlen bringt ihn zu Boden. Im Wohnzimmer erhält er weitere Schläge. Er blutet aus mehreren Platzwunden am Kopf. Während einer der Räuber nach Wertsachen sucht, hält ihm der andere eine Pistole auf die Stirn. So schildert es jedenfalls am 13. Juli der Angegriffene, der im Raub-Prozess vor dem Landgericht Lüneburg als Nebenkläger auftritt.

Opfer trägt Hämatome an Kopf und Oberkörper davon

Der Altenpfleger berichtet von erheblichen Folgen des Überfalls am 26. Januar. Er habe Hämatome am Kopf und am Oberkörper davongetragen, litt zudem unter Kopfschmerzen und Schwindel. „Ich habe schlecht geschlafen und war in der psychiatrischen Klinik in Behandlung“, berichtete der 32-Jährige. Weil er sich in Bad Bevensen nicht mehr sicher fühlte, zog er nach Uelzen um. Hinsichtlich der Anzahl und Art der Schläge zeigte er Erinnerungslücken. „Ich kann mich nicht mehr erinnern“, räumte er auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Dr. Michael Herrmann ein.

Auch der zweite Angeklagte W. legte ein Geständnis ab. Er habe das Opfer aber nicht geschlagen.

Die beiden Angeklagten legten Geständnisse ab. Bei einer Party habe die Exfreundin des Krankenpflegers unter Tränen erzählt, dieser erpresse sie mit Videos, die sie bei sexuellen Handlungen zeigten, berichtet M. Ob sie ihr helfen könnten. Er war zur Tatzeit wie der Mitangeklagte stark alkoholisiert und bekifft, hatte zudem Kokain genommen. Sie seien dann zum Opfer gegangen, um die Angelegenheit verbal zu klären, betonte der 34-Jährige. Zuzuschlagen, sei nicht geplant gewesen. „Das hat sich spontan ergeben, als wir da waren.“

Allerdings räumte er ein, unterm Jackenärmel eine Gardinenstange mitgenommen zu haben. „Ich wusste ja nicht: Was kommt auf uns zu?“, erklärte M. Eine Pistole habe er dagegen nicht dabei gehabt. Seine Schreckschusspistole habe ihm die Polizei bereits einige Wochen vorher nach ein paar Schüssen in die Luft an der Sonnenuhr abgenommen.

Räuber nehmen Bargeld und Drogen mit

Er habe 700 Euro Bargeld aus dem Portemonnaie des Opfers sowie ein Handy mitgenommen. Das Geld habe er aufgrund seines Alkohol- und Drogenkonsums benötigt. „So doof es sich anhört, es hat sich als gute Gelegenheit ergeben, dass man sich weiter finanziert“, erklärte M.

Der zweite Angeklagte, der mit ihm eine Wohnung bewohnt, will bei dem Raub nur dabei gewesen sein. Er habe wohl geschoben, dem Opfer dabei vielleicht auch einen Tritt in den Hintern gegeben, räumte W. auf Nachfrage ein. Von den Schlägen oder der Pistole habe er nichts mitbekommen, betonte der 28-Jährige. Der Aufforderung „Schau dich mal um!“ sei er dagegen gefolgt und habe eine Playstation und sechs Gramm „Gras“, also Marihuana, in eine Tüte gesteckt.

„Ich habe wenig mitbekommen. Ich habe meinen Plan gehabt“, erzählte W. Nachbarn sollen dagegen laut Staatsanwalt den Wortwechsel hinter der Wand Wort für Wort verstanden haben. Das Opfer berichtete auch, nur M. habe den Mittäter davon abgehalten, auch auf ihn loszugehen.

Bereits am 28. Januar werden die beiden Angeklagten festgenommen. Seitdem befinden sie sich in Untersuchungshaft. Die kompromittierenden Videos auf dem Handy gab es laut dem Opfer nicht. Der Prozess wird am 20. Juli um 9.30 Uhr sowie und am 21. Juli um 13 Uhr fortgesetzt.

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