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Im Bevenser Kurhaus: Max Neufeind erklärt die Arbeitswelt der Zukunft

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Dr. Max Neufeind, Experte für den Wandel der Arbeitswelt.
Wenn es nach Dr. Max Neufeind geht, ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit Trainer Hansi Flick ein Vorbild für den Umgangsstil im Unternehmen der Zukunft. © Sternitzke, Gerhard

Die Zukunft hat schon begonnen. Die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg haben den Wandel der Arbeitswelt hin zu Digitalisierung und neuen Formen der Tätigkeit beschleunigt, betonte Dr. Max Neufeind am Mittwoch im Bevenser Kurhaus bei einer Konferenz der Fachkräfteallianz Nordostniedersachsen unter dem Titel „Arbeitsweltenwandel“.

Bad Bevensen –Seine Botschaft an die Unternehmen: Vertraute Formen wie die Präsenz im Büro, feste Arbeitszeiten und hierarchische Strukturen werden infrage gestellt. In der Pandemie haben erstmals viele Arbeitnehmer ihre Aufgaben im Homeoffice erledigt. Neufeind, Fellow der Berliner Denkfabrik „Das Progressive Zentrum“, spricht von hybridem Arbeiten, teils im Büro, teils an anderem Ort. „Es wird die Frage sein, weshalb jemand ins Büro kommt“, glaubt der Experte. Der Firmenarbeitsplatz müsse ein Ort sein, wo bedeutsame Begegnungen stattfinden. Er werde zum „bunten“ Ort.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, wo die Beschäftigten sonst ihre Arbeit verrichten, und das hat auch eine ökologische Komponente. Denn wenn Arbeitnehmer nicht mehr in großer Zahl zum Arbeitsplatz in der Großstadt fahren, werde der Kohlendioxid-Ausstoß gesenkt. Weil nicht jeder zu Hause arbeiten könne oder wolle, müsse es dritte Orte in geringer Entfernung zum Wohnort geben, wo Menschen zusammen arbeiten können. Solche Coworking-Spaces hat der Landkreis im vorigen Jahr in Uelzen und Bad Bevensen getestet.

Die Diskussion um die Rationalisierung von Arbeitsplätzen durch Automatisierung rückt Neufeind zurecht. „Wir haben unterschätzt, wie wichtig der Mensch ist“, sagt der Experte. Es habe sich gezeigt, dass ein einzelnes Neuron des Menschen so komplex sei wie ein ganzes künstliches neuronales Netzwerk – und damit effizienter und vielseitiger. „Am Ende gehen uns eher die Arbeitskräfte aus, als dass uns die Arbeit ausgeht.“ Intelligente Systeme sieht er eher als „Fähigkeitsverstärker“ für den Menschen. Noch wichtiger als die Kompetenzen bei der Bedienung von Maschinen seien menschliche Fähigkeiten wie Empathie und das Verstehen von Gruppenprozessen.

Vor allem die Herausforderungen für die Vorgesetzten steigen. Die einheitliche Belegschaft verwandele sich in ein „Ökosystem“, der Arbeitsmarkt werde aber auch digitaler. Es entstehe ein globaler Arbeitsmarkt. Unternehmen bestehen demnach zukünftig aus einer Kernbelegschaft sowie externen Kräften, die möglicherweise im Ausland sitzen.

Der Fachkräftemangel macht sich schon jetzt in vielen Unternehmen empfindlich bemerkbar. Gründe für einen Jobwechsel sind einer Studie zufolge die Bezahlung, aber auch die Erfüllung im Beruf. Die Gesellschaft entwickele sich von einer Erwerbsgesellschaft hin zu einer Tätigkeitsgesellschaft, in der die Arbeit neben sozialem Engagement, Pflege von Angehörigen oder etwa Sport stehe. Wer Fachkräfte gewinnen wolle, müsse ihnen ein Angebot machen, das sie als sinnvoll empfinden. Das Team vergleicht Neufeind mit Fußballprofis. Sie müssten motiviert werden wie eine Nationalmannschaft.

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