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Behördenvertreter sehen Eddelstorfer Mühle durch Anlagen beeinträchtigt

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Die Eddelstorfer Mühle.
An dem Denkmalschutz für die Eddelstorfer Windmühle scheiterte ein Windpark. © Kiriczi

Die Windenergie hat derzeit ein blendendes Image. Deutschland will den Klimawandel bremsen, so schnell wie möglich unabhängig von russischem Gas werden, und Landwirten bieten sich neue Einkommensquellen. Deshalb gab es viel Unverständnis, als das Oberverwaltungsgericht Lüneburg im Frühjahr einen Windpark in der Gemeinde Altenmedingen untersagte, weil es die Eddelstorfer Mühle erheblich beeinträchtigt sah (AZ berichtete). Hintergründe gab es am Dienstag in einer Informationsveranstaltung der Gemeinde.

Bohndorf – Ein Bild der Mühle mit den Windrädern dahinter ist an die Wand im Landgasthof Stössel geworfen. Zu sehen ist ein kleiner Wald. „Da ist die Mühle“, zeigt Bürgermeister Léonard Hyfing auf eine Lücke in den Kronen. Was er zeigen will: dass der Blick auf das Baudenkmal gar nicht gestört werden kann. Es wird bis auf die flügellose Haube von den Bäumen verdeckt. Die Entscheidung ist für ihn wie für viele Menschen in dem vollen Saal unverständlich. „Was ist in unserer Gesellschaft wichtig? Ist unser Überleben auf dieser Erde das Wichtigste oder der Denkmalschutz?“, fragt der Altenmedinger Bürger Hans Kramer.

Denkmalschützerin hat einen schweren Stand

Maja Albert, Referatsleiterin Landesamts für Denkmalpflege in Lüneburg, hat also keinen leichten Stand, obwohl sie darauf hinweist, dass ihre Behörde keinerlei Weisungsbefugnis hat, sondern lediglich berate. Dennoch haben sich die Richter die Einschätzung zu der im Jahr 1902 errichteten Galerieholländer-Windmühle zueigen gemacht.

„Denkmalpflege ist zu zeigen, wie die Menschen 1902 die Naturkräfte nutzten“, erklärt die Denkmalschützerin. „Ich kann nicht mit so einem Industrieprodukt neben ein Denkmal gehen.“ Wenigstens Sichtachsen auf den Mühlenturm sollten freigehalten, die Standorte der Winterräder verschoben werden.

Harald Kramer, Sprecher des Oberverwaltungsgerichts, spricht von einer sehr großen Beeinträchtigung der Mühle durch die Windräder mit einer Nabenhöhe von 166 Metern und den geringen Abstand. „Der Senat ist zu dem Ergebnis gekommen, dass der Wert des Denkmals durch fehlende Flügel nicht beeinträchtigt wird“, berichtet der Jurist. Das gelte auch dann, wenn die Mühle derzeit vom Bewuchs verdeckt werde, aber wieder freigeschnitten werden könnte. Die Beeinträchtigung sei im Übrigen auch dem Landkreis Uelzen bekannt gewesen, als er den Standort auswies.

Neue Lage durch geändertes Denkmalschutzgesetz

Die aufgeregten Reaktionen auf die Entscheidung der Richter wurde bis Hannover gehört. Der Landtag hat deshalb im juli das Denkmalschutzgesetz geändert, damit der Windkraftausbau nicht durch den Denkmalschutz gebremst wird. „Welche Auswirkungen diese Gesetzesänderung hat, wird der Senat kären“, sagt Kramer. Vertreter der UKA berichten, dass ihr Unternehmen bereits einen Änderungsantrag gestellt hat. Bislang gab es nur eine vorläufige Entscheidung. Ein weiteres Verfahren läuft gegen den bestehenden Bürgerwindpark.

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