Bad Bevenser Verein begräbt ursprüngliches Vorhaben / Alternative Pläne für die Villa im Park

Aus für das Demenzdorf

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Eine Demenz-Patientin geht im Garten der Wohnanlage Tönebön am See in Hameln (Niedersachsen) spazieren. Das Demenzdorf war bei seiner Eröffnung 2014 das erste Projekt dieser Art in Deutschland. Jetzt steht fest: In Bad Bevensen wird es ein solches Dorf nun doch nicht geben.

Bad Bevensen. Es gab Zeiten, da war das Demenzdorf für Bad Bevensen scheinbar zum Greifen nah.

Der eigens dafür gegründete Verein befasst sich schon seit Jahren mit dem Projekt, das nach dem Vorbild des holländischen Modellprojekts „De Hogeweyk“ in der Kurstadt Demenzerkrankten alternative Wohnformen hätte anbieten können – in einem nach außen abgegrenzten Dorf. Am liebsten auf dem Gelände des ehemaligen Hamburgischen Krankenhauses. Im Sommer 2014 wähnte der Vereinsvorsitzende Hans-Peter Hellmanzik das Vorhaben schon auf der Zielgeraden: Im Herbst 2015 könnte der erste Spatenstich erfolgen, hieß es da. Doch heute sehen die Dinge völlig anders aus.

Man sei zur Einsicht gekommen, dass „angesichts der schwierigen bis unmöglichen Investorensuche“ ein anderer Weg verfolgt werden müsse, schreibt Hellmanzik jetzt in einem Rundbrief an die Vereinsmitglieder. „Die Schaffung eines Demenzdorfes, welches dem in De Hogeweyk gleicht, ist aufgrund der Gesetzeslage und der damit verbundenen Finanzierungsmöglichkeiten sowohl der Investition als auch der Pflege nicht möglich“, räumt Hellmanzik ein.

Ein Demenzdorf für Bad Bevensen ist somit vom Tisch. Stattdessen soll nun eine Einrichtung in der Villa im Park entstehen, in der bis voraussichtlich 2019 noch Flüchtlinge untergebracht sind. Der DRK-Kreisverband als Eigentümer des Objekts würde als Investor und Betreiber der künftigen Einrichtung auf dem Gelände Ebstorfer Straße 50 tätig werden, schreibt Hellmanzik in dem Rundbrief. DRK-Kreisgeschäftsführer Heinz Meierhoff ist zweiter Vorsitzender des Demenzdorf-Vereins.

Die Angebote dieser neuen Einrichtung würden sich nicht ausschließlich an demenziell Erkrankte richten, sondern den gesamten Bereich verschiedener Wohnformen für Senioren, auch mit Behinderungen, umfassen, stellt Hans-Peter Hellmanzik klar. „Somit unterstreichen wir den Inklusionsgedanken und erweitern so das Angebot um eine wesentliche Komponente.“ Das historische Gebäude Villa im Park solle zu einer „Zentraleinheit“ umgebaut werden und die Kommunikationsmitte für dieses Quartier mit unterschiedlichen kleinen Wohngebäuden bilden. „So wird das Gelände unseren gewünschten ‘Dorfcharakter’ erhalten“, findet der Vereinsvorsitzende, „und wir kommen dem ursprünglichen, der Vereinsgründung zugrundeliegenden Gedanken wieder näher.“ Man beschränke sich lediglich nicht nur auf das Krankheitsbild Demenz, sondern schaffe unterschiedliche Möglichkeiten der Betreuung von Menschen im Alter.

Aufgabe des Vereins werde laut Hellmanzik künftig sein, die Bewohner über entsprechend qualifizierte Ehrenamtliche zu betreuen und die soziale Komponente sicherzustellen. „Hier wird der Vereinsbeirat in Kürze Angebote zur Qualifikation Ehrenamtlicher entwickeln“, kündigt er an. Unterdessen soll noch Anfang dieses Jahres die baurechtliche Situation auf dem Gelände geklärt werden, kündigt Hans-Peter Hellmanzik an.

Von Ines Bräutigam

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