Unruhe beim SPD-Unterbezirksparteitag in Bad Bevensen

Dehde bleibt Vorsitzender

Klaus-Peter Dehde bleibt Vorsitzender des Unterbezirks Uelzen/Lüchow-Dannenberg.

Bad Bevensen. Ruhe in die Reihen der SPD zu bekommen, scheint in diesen Tagen nicht einfach zu sein. Die versöhnlichste Szene beim Parteitag des Unterbezirks war noch der nachträgliche Geburtstagsgruß an die Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann, der gleichzeitig eine Entschuldigung war.

Beim Castor-Camp der SPD im vergangenen Jahr hatte sie angeregt, eine Flasche Jägermeister für diejenigen Genossen mitzunehmen, die für den Aufbau sorgten. Von der war jedoch nichts mehr übrig, als sie im Wendland eintraf, weswegen sie eine neue Flasche mit auf den Weg bekam. Die müsse nicht unbedingt bis zum nächsten Castor-Camp halten, erklärte Juso Jan-Henning Putzier.

Unruhe kommt aus der Bundespartei in den Unterbezirk: Dass Thilo Sarrazin nun doch nicht aus der SPD ausgeschlossen wurde, sorgte auch im Unterbezirk Uelzen/Lüchow-Dannenberg für Unmut. Lühmann äußerte zwar Verständnis für die derzeit vielgescholtene Andrea Nahles, die den Nicht-Ausschluss verkündete und verteidigte. Nahles sei die falsche Adresse für Anwürfe, weil sie den Beschluss der Schiedskommission nicht zu verantworten habe. Lühmann hat allerdings auch Verständnis für Fragen der Basis in der Sache Sarrazin an den Parteivorstand und zeichnete nochmals die verqueren Thesen Sarrazins und dessen Umgang mit Statistiken nach. Der stelle sich mit seinen Thesen außerhalb der Tradition der SPD, für die Integration immer ein Kernanliegen gewesen sei.

Auch Landratskandidat Jürgen Krumböhmer, selber mit einer Schwarzafrikanerin verheiratet, widersprach mit Nachdruck Sarrazins These von der genetisch bedingten mangelnden Integrationsfähigkeit, während der Landtagsabgeordnete Stefan Schostok es für eine kluge Entscheidung hielt, Sarrazin, der keine Funktion in der Partei habe, nicht auch noch zum Märtyrer zu machen.

Ein Teil der Unruhe im Unterbezirk der SPD scheint jedoch hausgemacht: Klaus-Peter Dehde, Vorsitzender des Unterbezirks, hatte sich nach eigenem Bekunden in jüngster Zeit aus den eigenen Reihen als „Apparatschik“ schelten lassen müssen. Vor allem die Entscheidung, mit Krumböhmer einen eigenen Landratskandidaten ins Rennen zu schicken, statt das Angebot Raimund Nowaks zu unterstützen, als parteiübergreifender Kandidat für den Posten des Landrates zu kandidieren, nahmen Teile der Basis übel. Und so hatte es Dehde denn bei der Wiederwahl zum Unterbezirksvorsitzenden auch mit einem überraschenden Gegenkandidaten zu tun. Hartmut Berg aus dem Ortsverein Gartow trat gegen Dehde an und legte in seiner Vorstellungsrede großes Gewicht auf den sozialen Bereich. Von den 86 abgegebenen Delegiertenstimmen entfielen 21 auf Berg, Dehde vereinte 65 Stimmen auf seine Person. Uwe Holst (64 Stimmen) und Sylvia Meier (69) wurden zu stellvertretenden Vorsitzenden gewählt, der bisherige stellvertretende Vorsitzende Jacques Voigtländer hatte nicht wieder für diesen Posten kandidiert. Nachdem klar war, dass Dehde weiterhin Vorsitzender bleiben würde, verringerte sich die Zahl der Kandidaten für die Beisitzer im Vorstand von zehn auf neun. Die Uelzener Ortsvereinsvorsitzende Ute Röling ließ eine Erklärung verlesen. Sie werde „nicht mehr für den Unterbezirks-Vorstand kandidieren, solange Klaus-Peter Dehde Vorsitzender ist“.

Von Jürgen Köhler-Götze

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare