Digitalisierungbeauftragte Sarah Krüger erklärt, was geht und was geplant ist

Der Weg ins Online-Rathaus

Digitalisierungsbeauftragte Sarah Krüger in ihrem Büro
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Sarah Krüger ist für die Digitalisierung in der Verwaltung der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf zuständig. Davon profitieren die Bürger, weil sie online Anträge stellen oder Termine vereinbaren können.
  • Gerhard Sternitzke
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Einkaufen, arbeiten, womöglich den Partner fürs Leben kennenlernen: Immer mehr Lebensbereiche verlagern sich ins Internet. Die Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf bietet seit einem halben Jahr Verwaltungsleistungen im „Open Rathaus“ an. Jetzt hat der Samtgemeindeausschuss die Digitalisierungsstrategie für die nächsten Jahre beschlossen. Digitalisierungsbeauftragte Sarah Krüger (25) erklärt im Interview mit AZ-Redakteur Gerhard Sternitzke, worum es geht.

Bad Bevensen –
Frau Krüger, welche Verwaltungsleistungen kann ich nach Feierabend vom heimischen Wohnzimmer aus nutzen?

Im Bereich des Standesamtes besteht die Möglichkeit, Urkunden aus dem Ehe-, Geburten-, Lebenspartnerschaften- oder auch Sterberegister zu beantragen. Ich kann die einfache und erweiterte Meldebescheinigung anfordern. Ich habe die Möglichkeit, meinen Hund an- oder auch abzumelden. Zuzüglich kann man Leistungen des Bundes wahrnehmen, unter anderem die Beantragung von Bafög. Im Bereich des Landkreises kann ich mein Auto an- oder abmelden.

Das Pilotprojekt kam genau richtig in der Pandemie, als die Rathäuser geschlossen waren. Warum haben erst 20 Bürger davon Gebrauch gemacht?

Ich denke einfach, dass dieser Service erst mal publik werden muss. Das ist was ganz Neues. Je mehr Leute davon erfahren, desto mehr werden es in Anspruch nehmen.

Wissen Sie, welche Menschen das Angebot nutzen?

Am häufigsten gehen Anfragen im Bereich des Gewerbes ein. Ansonsten kann man das an keinen besonderen Personen- oder Altersgruppen festmachen. Wir können das auch nicht einsehen. Das wäre im Sinne des Datenschutzes auch nicht gewollt.

Auch das Bibliotheksangebot steht zum Teil digital zur Verfügung...

Ich habe die Möglichkeit, im Griepe-Haus in Bad Bevensen online einzusehen, welche Medien oder Bücher ich ausleihen kann. Auch für die Samtgemeindebibliothek in Ebstorf wird das möglich sein.

Das Online-Zugangsgesetz schreibt vor, dass Verwaltungen ihre Dienstleistungen bis Ende 2022 online zugänglich machen müssen. Was ist bis dahin noch zu tun?

Das Grundkonzept steht. Jetzt geht es darum, das Angebot nach und nach zu erweitern.

Ein Beispiel?

Jetzt wurde zum Beispiel das Online-Fundbüro hinzugefügt. Es wird eingestellt, was momentan im Fundbüro der Samtgemeinde vorliegt. Ich kann das einsehen, ohne anzurufen oder persönlich hinzugehen. Allerdings gibt es noch einige technische Probleme.

Für welche Leistungen musss ich weiter persönlich zum Rathaus gehen?

Das sind Leistungen, wo eine Unterschrift oder ein Foto notwendig sind, zum Beispiel bei der Beantragung eines Personalausweises. Das ist momentan nicht anders machbar. Auch wenn ich eine Ehe schließen will, muss ich persönlich erscheinen.

Wie sicher sind meine Daten, wenn ich im „Open Rathaus“ Formulare ausfülle?

Auf den Datenschutz wird auch vom Hersteller geachtet.

Wie komme ich sicher ins „Open Rathaus“?

Ich melde mich über eine Benutzer-Passwort-Kombination an.

Also wie in jedem Online-Shop. Digitalisiert werden sollen auch die Verwaltungsabläufe. Wie weit sind Sie damit schon?

Momentan haben wir verschiedene Bereiche auf der Agenda, so unter anderem den elektronischen Rechnungs-Workflow. Die Rechnungen werden eingescannt. Dann rollen wir jetzt das Dokumenten-Management-System aus. Das ist ein Aktenbestand, der elektronisch vorhanden ist. Was ich erarbeite, kann ich über dieses System ablegen. Die Mitarbeiter haben darauf Zugriff, ohne lange in Ordnern zu suchen.

Theoretisch auch vom Homeoffice.

Genau, was sehr praktisch ist.

Wo sind die Vorteile gegenüber Papierakten?

Ich spare Papier ein. Dadurch werden Druckkosten eingespart und auch Raumkapazitäten können optimal genutzt werden.

Was sagen die Kollegen dazu? Mancher möchte sicher so weiterarbeiten, wie er es gewöhnt ist.

Alles, was neu ist, bedarf der Umgewöhnung. Deshalb geht es darum, die Mitarbeiter mitzunehmen, zu schulen, zu helfen, wo das nötig ist. Wir haben jetzt erst mal mit einer Testgruppe begonnen, wollen das aber auf die ganze Verwaltung ausrollen.

Digitale Verwaltung ist auch mit Risiken verbunden. Cyber-Kriminelle versuchen, Daten abzugreifen oder erpressen Unternehmen und Krankenhäuser, indem sie alle vorhandenen Daten verschlüsseln. Wie schützen Sie sich dagegen?

Der Datenschutz wird durch den IT-Verbund des Landkreises kontrolliert. Ein Grundrisiko ist in allen Lebensbereichen vorhanden, wobei der Schutz so hoch wie möglich sein wird.

Bürger können in Bad Bevensen schon seit Jahren, jetzt auch in der Samtgemeinde die politischen Diskussionen per Livestream verfolgen. Warum werden die Videos jetzt gelöscht?

Die Videos liefen über die Plattform Youtube. Der Kanal ist in den USA angesiedelt, die andere Datenschutzbestimmungen haben als wir in Europa. Wir sind gerade dabei, nach einer Alternative zu schauen.

Was lässt sich nicht digitalisieren?

Ich gehe lieber selbst einkaufen, als es mir liefern zu lassen. Generell können einige Dinge nicht ersetzt werden, vor allem der Kontakt zu Bekannten und zur Familie.

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