„Das ist nicht unsere Sichtweise“

Nach einer Herzoperation sollen Ärzte des HGZ falsch behandelt haben – die Klinik sieht das anders.Archivfoto: hgz

Bad Bevensen - Von Thomas Mitzlaff. Die juristische Auseinandersetzung um den Tod eines 59-jährigen Patienten vor fünf Jahren im Herz- und Gefäßzentrum (HGZ) Bad Bevensen geht in die nächste Instanz: Das HGZ hat Berufungvor dem Oberlandesgericht Celle gegen das Urteil des Landgerichts Lüneburg eingelegt, das die Klinik und zwei seiner Ärzte zu einer Schadensersatz-Zahlung an die Witwe verurteilt hatte. „Das Urteil hat uns überrascht und entspricht nicht unserer Sichtweise vom tragischen Tod des Patienten“, erklärte gestern Jacob Bijkerk, Vorstand des HGZ.

Der Patient war vor fünf Jahren am offenen Herzen operiert worden. Er infizierte sich mit Keimen und war nach Ansicht des Gerichtes anschließend unzureichend mit Antibiotika behandelt worden. Schließlich sei er an einer Blutvergiftung (Sepsis) gestorben. Die therapeutische Versorgung des Patienten habe nicht dem medizinischen Standard entsprochen, was den Tod zur Folge gehabt hätte, stellte das Landgericht fest. Und weiter: „Solche Fehler dürfen einem Arzt (…) nicht unterlaufen.“ Die Höhe des Schadensersatzes hatte das Gericht nicht festgelegt. Das Urteil hatte bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt.

Im HGZ hält man den Schuldspruch aus medizinischer Sicht für falsch. „Eine Reihe begleitender Aspekte sind nach unserer Auffassung nicht ausreichend gewürdigt worden“, kommentiert Bijkerk das Urteil. Die Klinik hatte vor Gericht argumentiert, der Patient sei an einem Herzinfarkt verstoben. „Nach unserer Einschätzung war das ein tragischer Fall“, so der Vorstand.

Die Witwe des Patienten hatte das HGZ verklagt. Ihr Anwalt hatte das Urteil als „Meilenstein für Sepsis-Opfer“ bezeichnet (AZ berichtete).

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