Kurgesellschaft will mit neuen Strukturen reagieren

Thermen-Gäste jünger als bislang gedacht: „Das hat Folgen für die Angebote“

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Wer sind die Besucher und was wünschen sie sich? An einem Befragungsterminal können sie das Angebot in der Therme bewerten und Angaben zu ihrer Person machen – die Ergebnisse nach einem ersten halben Jahr haben nicht nur Sabine Neumann-Heinen überrascht.

Bad Bevensen. In Bad Bevensen, da gibt’s sowieso nur alte Leute. Und in der Therme auch. Diese landläufige Meinung über die Kurstadt und ihren Besuchermagneten hält sich schon lange und hartnäckig.

Dass sie jedoch mit der Realität nur wenig zu tun hat, das belegen jetzt aktuelle Gästedaten, die im vergangenen halben Jahr von der Bad Bevenser Kurgesellschaft erhoben wurden.

Was vor allem bei Kur-GmbH-Geschäftsführerin Sabine Neumann-Heinen und den Mitgliedern des Aufsichtsrats für Überraschung sorgte: Fast die Hälfte der Thermen-Besucher (46 Prozent) sind zwischen 20 und 59 Jahre alt; 50 Prozent sind 60 und älter. „Das hat Folgen für die Angebote“, kündigt Neumann-Heinen gestern in einem Pressegespräch an. „Wir müssen hier kein 70plus-Angebot fahren.“

Keine Frage: Die Jod-Sole-Therme wird auch künftig nicht zum Spaßbad werden. „Der Aspekt der Ruhe und Entspannung ist weiterhin sehr wichtig, deshalb kommen die Menschen hierher“, weiß die Geschäftsführerin der Kur GmbH, deren Gesellschafter zu 52 Prozent der Landkreis Uelzen und zu 48 Prozent die Stadt Bad Bevensen sind. Aber: „Auch Aktivangebote werden eine größere Rolle spielen.“

Die Erkenntnis über die aktuelle Gästestruktur brachten zwei digitale Abfrage-Terminals, die seit Mitte vergangenen Jahres aufgestellt sind, und Befragungen an der Thermenkasse. „Mir wurde immer berichtet, dass die meisten Gäste zwischen 60 und 70 sind. Das fand ich seltsam. Denn wenn ich durch die Therme gegangen bin, habe ich etwas anderes gesehen“, berichtet Sabine Neumann-Heinen davon, wie diese Gästeanalyse zustande kam.

An den Terminals mit dem Touchscreen-Bildschirm können also die Besucher auch weiterhin Angaben zu ihrem Alter, Geschlecht und Wohnort machen, aber auch zum Angebot der Therme, zu deren Sauberkeit oder zum Service des Personals. Wer teilnimmt, wird am Ende der Befragung belohnt und hat die Wahl zwischen einem Kaffee-Gutschein und der Teilnahme an einer Verlosung für einen Thermenbesuch.

Dass fast die Hälfte der Gäste jünger als 60 Jahre ist, führt Sabine Neumann-Heinen vor allem auf die neue Saunalandschaft zurück. „Es war eine Super-Idee, diese doch sehr hohe Investition zu tätigen“, sagt sie. Aber auch andere Angebote kommen bei der jüngeren Klientel offensichtlich gut an: die Thermennacht zum Valentinstag zum Beispiel oder die Herbstnacht bei Live-Musik. Ähnliche Veranstaltungen befinden sich schon in der Ideenschmiede. Denn noch etwas hat das Befragungsergebnis gezeigt: „Ab 30 werden die Menschen für uns interessant“, sagt Neumann-Heinen.

Besonders gut bewerten die rund 500 Befragungsteilnehmer im vergangenen halben Jahr auf einer Skala von 1 bis 4 die Qualitäten von Sauna und Badelandschaft (beide 1,53), dicht gefolgt von den Öffnungszeiten (1,58) und der Solewelt (1,59). Die Sauberkeit (1,61), die Salzwelt (1,65) und die Betreuung durch das Personal (1,67) sind ebenfalls top.

Nicht ganz so gut weg kommt die vor zwei Jahren geänderte Preisstruktur, vor allem der 3-Euro-Aufpreis für die Saunanutzung – mit einer Note von 2,32 wird hier das durchschnittlich „schlechteste“ Ergebnis eingefahren. Die Qualität der Bistros erhielt eine 2,29. Hier steuert die Kurgesellschaft bereits, wie berichtet, mit einer eigens eingerichteten Servicegesellschaft, die die Bistros übernimmt, gegen. Im Durchschnitt bewerteten die Befragungsteilnehmer das Gesamtangebot der Therme mit 1,9.

Ganz offensichtlich wissen vor allem auch die Bewohner im Landkreis Uelzen das Angebot der Bevenser Therme zu schätzen: Von den 73,3 Prozent, die aus Niedersachsen zum Baden in die Kurstadt strömen, sind 50 Prozent Bürger aus Stadt und Kreis Uelzen.

Von Ines Bräutigam

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