Viel Witz und wenig Bewegung

Comedian Rüdiger Hoffmann erzählt im Kurhaus Bad Bevensen vom Alltag

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Rüdiger Hoffmann benötigt keine großartige Kostümierung oder Requisiten, um sein Publikum zum Lachen zu bringen. Auch im Kurhaus in Bad Bevensen gelang ihm das wie immer mit ausgeklügelter Gesichtsmimik und spärlichen Bewegungen.

Bad Bevensen. Buchstabensuppe, Frauenzeitschriften, Tretbootfahren, prophylaktischer Schnupfen, Froschlaich, Gangste-Rap: Comedian Rüdiger Hoffmann streifte jede Menge Alltagsbereiche. „Ja, hallo erst mal, toll wieder hier zu sein, liebe Kurgäste.“

Schon der Begrüßungssatz genügte, um das Zwerchfell des Publikums zu animieren. Im Laufe des zweistündigen Abends in Bad Bevensen gab es dann jede Menge weitere Lacher. Da steht er auf der großen Kurhausbühne im spärlichen Licht. Ein kahlköpfiger, großer, schmächtig und schlaksig wirkender Mann vor vollbesetzten Besucherreihen. „Lachen ist gut, vor allem für das Immunsystem“, kommentiert er bedacht, „demnach müsste der Schnupfen um 22.15 Uhr weg sein.“ Ein paar schräge, banale Witzchen folgen: („Wieso ließ sich auf St. Pauli ein Sarg nicht öffnen? War ein Zuhälter drin.“). Man sollte die Dinge im Leben mit mehr Humor nehmen und sich nicht über jede Kleinigkeit aufregen, meint Hoffmann und beginnt aus dem Alltagsleben zu erzählen. Etwa vom gemeinsamen Urlaub mit Monika, Hans-Peter und seiner Bekannten auf dem Campingplatz in Holland, wo er eigentlich Ruhe, Entspannung und Erholung suchte.

Zum Ende geht er an den Flügel und trägt das erste Lied vor „Eimersaufen auf Mallorca“. Dann legt er aus, wie er sich für die Einhaltung deutschen Kulturguts einsetzt und vergleicht Beispiele früher und heute. So musste man sich früher ohne Handy noch richtig unterhalten mit richtigen Wörtern und ganzen Sätzen, was einen Wortschatz brauchte. Früher ließ sich das Auto mit einem Schlüssel verschließen und man brauchte eine Landkarte, „so eine Art ausgedruckte „Google-Maps“. „Ich bin froh, dass nicht mehr früher ist.“ Rüdiger Hoffmann spricht meist langsam, entspannt, deutlich, oft ohne großartige Modulation. Ganz bedeutend sind seine Pausen, die die Aufmerksamkeit des Publikums bindet. Oder kleine Schnaufer, Ausatmungsgeräusche aus der Nase direkt ins Mikro. Oft reicht schon ein einziges Wort und es kichert los. Seine Erzählweise, bedächtig und im Plauderton mit wenig, aber ausgeklügelter Mimik und spärlichen Bewegungen unterlegt, ist einzigartig. Der ahnungslose Gesichtsausdruck, das leichte Schulterzucken reichen aus.

Wenig Kostümierung ist nötig und keine Requisiten. Mit Jacke und Hut, Typ biederer Bürger, lässt er sich über einen Mitbewohner aus, der zu einem Achtel Franzose ist. Mit langem Mundschutz à la Weihnachtsmannbart und Frosch als Handpuppe, mimt er einen Bauchredner mit fetzigen Dialogen. Begeisterung pur beim Publikum, das nach dem letzten Lied Zugaben lautstark einfordert. Der unterhaltsame Abend mit Rüdiger Hoffmann hat gut getan.

Von Ute Bautsch-Ludolfs

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