Viele einsame Menschen in Bad Bevensen: Inklusionsbeirat startet Aktion „Lass uns reden!“

Mit Button gesprächsbereit

Einsamkeit ist gerade für allein lebende ältere Menschen ein Problem. Sie würden sich schon über ein kurzes Gespräch freuen. Wer gesprächsbereit ist, soll jetzt in Bad Bevensen der Button „Lass uns reden!“ anzeigen.
+
Einsamkeit ist gerade für allein lebende ältere Menschen ein Problem. Sie würden sich schon über ein kurzes Gespräch freuen. Wer gesprächsbereit ist, soll jetzt in Bad Bevensen der Button „Lass uns reden!“ anzeigen.
  • Gerhard Sternitzke
    VonGerhard Sternitzke
    schließen

Bad Bevensen. Diese Erfahrung mussten schon viele ältere Menschen machen, die mal einen Gesprächspartner auf der Straße suchten: Die Angesprochenen haben keine Zeit, sind vielleicht genervt und reagieren manchmal auch abfällig.

In Bad Bevensen soll das nach dem Willen des Inklusionsbeirats anders werden. Vorsitzender Martin Feller trägt einen Button mit rosafarbener Umrandung an der Jacke. „Lass uns reden!“, steht darauf, und das ist auch das Motto der neuesten Aktion des Beirats.

Ein Button signalisiert Gesprächsbereitschaft.

„Treffe ich jemanden mit dem Button, weiß ich, dass er bereit ist zu sprechen“, erläutert Feller die Idee. In seiner Zeit als Bürgermeister habe er immer wieder erlebt, dass Bürger ihn anriefen, nicht um ein Anliegen vorzubringen, sondern einfach um einen Gesprächspartner zu haben. Viele Paare ziehen für den Lebensabend in die Kurstadt. Wenn dann der Partner stirbt, fehlen häufig die sozialen Kontakte. „Man hat den Eindruck, dass viele Menschen in Bad Bevensen Gesprächsbedarf haben. Es gibt viele einsame Menschen hier“, sagt Feller.

Dabei geht es den Initiatoren der Aktion zur Förderung der Kommunikation und sozialer Kontakte nicht ausschließlich um Senioren. „Ich merke, dass auch junge Leute in meinen Laden kommen, die einfach mal reden wollen“, berichtet Geschäftsfrau und Beiratsmitglied Alexandra Buntenbach, die den Button gestaltet hat. Von ihr stammen auch die Faltblätter, die jetzt in den Neubaugebieten verteilt wurden. Denn den frisch Zugezogenen fehlen ebenfalls oft die Kontakte. Die Buttons, die zunächst in einer Auflage von 200 Stück geordert wurden, sind ab sofort im Bürgerbüro des Bevenser Rathauses erhältlich.

Geredet werden kann auch am Donnerstag, 11. Januar, ab 19 Uhr im Gasthaus „Anno 1825“ an der Kirchenstraße 6. Unter dem Motto „Komm vorbei und lass uns reden!“ können die Teilnehmer berichten, was sie bewegt. Es besteht übrigens kein Verzehrzwang. „Es gibt nämlich viele Ältere, die nicht so viel Geld haben, um sich in einer Gaststätte zu treffen“, weiß Alexandra Buntenbach. Die Treffen sollen zwei bis viermal im Jahr angeboten werden – als Forum, in dem man andere trifft. Auch dort werden die Buttons verteilt.

„Wir betrachten uns als Mittler zwischen dem reichhaltigen Angebot in Bevensen und den Menschen“, betont Martin Feller. Denn häufig sind Kontaktmöglichkeiten wie etwa Selbsthilfegruppen den Betroffenen nicht bekannt. Themen von Gesprächen können aber auch die Geschichte der Stadt, das Stadtgeschehen oder aktuelle gesellschaftliche und politische Verhältnisse sein.

„Wir geben nur den Anstoß, und die Menschen entscheiden, wie sie das umsetzen“, fasst Martin Feller zusammen. Vorbild ist für ihn der ungezwungene Klönschnack auf dem Dorf. „Es wäre mein Traum, wenn wir den Button einmal nicht mehr brauchen.“

Von Gerhard Sternitzke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare