Bevenser CDU und SPD rechnen im Stadtrat mit Martin Feller ab

Bürgermeisteramt als „Sprungbrett“

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Bad Bevensens Bürgermeister Martin Feller (Grüne) mit Amtskette nach seiner Wahl im April vorigen Jahres.

Bad Bevensen – Ämter, Sitze und viele Namen: Der Bevenser Stadtrat hat sich am Mittwochabend im Kurhaus neu sortiert. Nachdem WBB-Ratsfrau Linda Czerwinski die Gruppe mit den Grünen verlassen hat, ist deren Ein-Stimmen-Mehrheit futsch.

Das macht das Stühle-Rücken notwendig. Linda Czerwinski verliert das Amt als stellvertretende Bürgermeisterin. Statt zwei wählt der Rat nunmehr eine Vertreterin, sie hieß und heißt Gabriele Meyer (Grüne). Die anderen Fraktionen ziehen zehn Monate nach der Wahl Martin Fellers (Grüne) zum Bürgermeister eine vernichtende Bilanz.

Mit ihrer Mehrheit hätten die Grünen Wahlversprechen unkompliziert umsetzen können, resümiert Sönke Strampe, Sprecher der Gruppe CDU/FDP. „Aber Ihre Anträge haben die Bevölkerung polarisiert wie nie.“ Als Beispiel nennt er das freie Parken für Feuerwehrleute (AZ berichtete), eine Maßnahme, die umstritten war, weil sie andere Ehrenamtliche ausschließt.

Zu oft habe der Bürgermeister seine Neutralität verletzt und im Rat als Vertreter der Grünen gesprochen. Nun sei er ohne Mehrheit. „Genau zu diesem Zeitpunkt möchten Sie das sinkende Schiff verlassen und Samtgemeindebürgermeister werden“, kritisiert Strampe.

Offenbar habe Feller das Bürgermeisteramt nur als „Durchgangsstation“ gesehen, als „Sprungbrett“, legt der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Strehlke nach. 70 Prozent der Stimmen für die Grünen bei der Wiederholungswahl seien auf Feller selbst entfallen. Ohne ihn entspreche der Stadtrat nicht mehr dem Wählerwillen.

„Die dritte Neubesetzung nach der Neuwahl, das kann man als das Gegenteil von Stabilität bezeichnen“, findet Strehlke. „Generell hat die Abwesenheit von klaren Mehrheiten gar nichts so Schlimmes.“ Im Gegenteil, das belebe die Politik.

SPD-Fraktionsvorsitzender Hans-Peter Hellmanzik spricht von einer „brutalen Durchsetzungspolitik“ des grünen Bürgermeisters. „Du hast dann noch schnell teure Maßnahmen durchgesetzt.“ Durch Fellers Kandidatur werde die Stadtpolitik gelähmt, so Hellmanzik. „Tritt zurück und mach den Weg frei für eine vernünftige und zukunftsorientierte Politik!“

„Wenn ich sage, wie viel Aufwand ich in den fünf Jahren als Bürgermeister hatte, dann verbitte ich mir den Vorwurf“, verteidigt sich Feller. Seit 20 Jahren sei er in der Stadt- und Samtgemeindepolitik aktiv. „Ich will gute Arbeit für die Stadt und die Samtgemeinde machen und ich glaube, ich bin dazu in der Lage.“

Hans-Bernd Kaufmann (Bürger für Bad Bevensen) kommentiert die Debatte: „Im Übrigen habe ich das Gefühl, wir befinden uns schon im Wahlkampf.“

Üblicherweise übernehme der Samtgemeindebürgermeister das Amt des Stadtdirektors in Bad Bevensen. „Dieses politische Amt anzustreben, finde ich sehr legitim.“

VON GERHARD STERNITZKE

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