Brauerei und neue Wohnungen

Das große Eckgebäude an der Ecke Medinger Straße/Lüneburger Straße wird bald zu neuem Glanz gelangen.

Bad Bevensen - Von Ines Bräutigam. „Frohen Sinn bring herein/Sorgen lasse draussen sein.“ So lautet die Inschrift eines Holzbalkens, der hoch oben am ehemaligen Deutschen Haus in Bad Bevensen eingelassen ist. Und froher Sinn wird in der Tat bald wieder in das geschichtsträchtige Gebäude an der Ecke Medinger Straße/Lüneburger Straße einziehen. Denn nach mehreren Jahren des Leerstandes ist das Haus mit den bleiverglasten Fenstern und dem markanten Türmchen auf dem Dach verkauft worden und wird in den kommenden Monaten rundum saniert.

Zwei Hamburger Investoren, Ulrich Beese und Wilfried Martensen, haben das Deutsche Haus, das bereits mehrfach im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert werden sollte, für nunmehr 58 000 Euro erworben. Rund 750 000 Euro, so kalkuliert der beauftragte Uelzener Ingenieur Hartmut Hillmer, werden wohl in die Instandsetzung des sanierungsbedürftigen Gebäudes investiert werden. Entstehen sollen neben Eigentumswohnungen in den Obergeschossen vor allem im Erdgeschoss und im Anbau eine Systemgastronomie, möglicherweise ein Bierbrauhaus.

„Erste Gespräche mit Brauereien haben bereits stattgefunden und weitere werden noch geführt“, sagt Wilhelm Bünde. Der Bevenser Gebäudemanager wurde von den Investoren mit der Projektierung und Vermarktung des Vorhabens betraut. Er war es auch, der die Hamburger auf das Objekt aufmerksam gemacht und letztendlich begeistert hatte.

1907 erbaut, hat das Deutsche Haus eine bewegte Geschichte hinter sich. So lautete seine Adresse einst „Adolf-Hitler-Straße 30“, wie Wilhelm Bünde recherchiert hat, und während des Zweiten Weltkrieges hatten die englischen Besatzungsmächte in dem Gebäude Quartier bezogen. In dem Saal des Obergeschosses wurden einst rauschende Feste gefeiert, an die sich manch älterer Bevenser sicher noch erinnern kann. So stand dort die Kapelle König, auch „Rex-Trio“ genannt, in den 60-er Jahren an jedem Wochenende auf der Bühne und spielte zum Tanz auf.

In dem Hauptgebäude und dem Anbau mit einer Gesamtfläche von mehr als 1000 Quadratmetern wird einiges zu tun sein. So stapeln sich in den Räumen des Obergeschosses zurzeit noch herausgerissene Toiletten neben alten Kühlschränken, ausrangierten Möbeln und Kleidungsstücken. Im ersten Stock des Hauses sollen zuletzt Ziegen gehalten worden sein – das herumliegende Stroh macht diese Annahme recht wahrscheinlich.

Das Gebäude wird komplett entkernt, die Räume werden neu angeordnet. Die Fassade bleibt erhalten. „Wir erstellen jetzt eine Planung und werden Gespräche mit der Denkmalschutzbehörde und dem Landkreis Uelzen als Baugenehmigungsbehörde führen“, kündigt Ingenieur Hillmer an. Parallel dazu werden Gespräche mit Brauereien fortgeführt, um zu einer Gesamtplanung zu gelangen, die allen Beteiligten gerecht wird.

Wilhelm Bünde freut sich, dass das Deutsche Haus vor dem Verfall bewahrt werden kann. „Es ist bedeutend für diesen Ort“, sagt er. Insgesamt zwei Jahre hat er sich darum bemüht, Investoren für das Projekt zu finden; nun ist es gelungen. Und auch seitens der Stadt hat Bünde bereits Unterstützung signalisiert bekommen: „In Vorgesprächen hat man uns alle erdenkliche Hilfe zugesichert“, freut er sich. Und zumindest die Gastronomie soll schon bald Einzug in das einstige Deutsche Haus halten: „Innerhalb der nächsten zwölf Monate wollen wir mit dem Betrieb beginnen“, kündigt Bünde an.

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