Bibliothekskonzept für Bevensen und Ebstorf enthält viele neue Ideen

Den Bohrer gibt’s in der Bücherei

In einer Bibliothek der Dinge kann man Werkzeug und andere Dinge ausleihen, die man sich nicht selbst kaufen kann oder möchte.
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In einer Bibliothek der Dinge kann man Werkzeug und andere Dinge ausleihen, die man sich nicht selbst kaufen kann oder möchte.

Bevensen/Ebstorf – Für Leseratten sind Bibliotheken ein Paradies, andere machen um die heiligen Bücherhallen einen Bogen. Und die Nutzerzahlen sinken dramatisch.

Innerhalb von zehn Jahren sind allein die Sachbuchausleihen in den Büchereien in Bad Bevensen und Ebstorf um 73 Prozent zurückgegangen. „Google und andere Internet-Suchdienste sind der größte Feind der Bibliotheken“, sagt Rico Reddig, Controller in der Samtgemeindeverwaltung. Abhilfe soll ein jetzt der Kommunalpolitik vorgestelltes Bibliothekskonzept schaffen. Bücher wird es demnach auch weiterhin geben, aber die Büchereien sollen zu lebendigen Treffpunkten werden.

„Es geht darum, dass die Bibliothek ein angenehmer Ort ist, dass man sich gerne dort aufhält und sich trifft“, erklärt die stellvertretende Fachbereichsleiterin Gesa Schüler-Köppen. In der Bevenser Bibliothek im Griepe-Haus und in der Ebstorfer Samtgemeindebücherei könnte jeweils ein Mehrzweckbereich entstehen, in dem Menschen sich unterhalten oder sich zu Spielnachmittagen treffen.

Eine ganz neue Zielgruppe könnten sich die Einrichtungen als „Bibliothek der Dinge“ erschließen. Angeboten werden darin Werkzeuge wie zum Beispiel Bohrer und Akkuschrauber oder Reparatursets zum Ausleihen. „Arbeitsgeräte, die man sich nicht selbst kauft“, wie Gesa Schüler-Köppen erläutert. Auch hier könnten die Bücherhallen zum Treffpunkt werden. Im Reparaturcafé würden handwerklich geschickte Menschen Andere mit ihrem Wissen und Können praktisch unterstützen.

Der begleitende Arbeitskreis brachte die Idee der „Open Library“ ein. „Das bedeutet, die Bibliothek ist geöffnet, obwohl kein Personal anwesend ist“, erklärt Gesa Schüler-Köppen. So könnten die Öffnungszeiten ohne großen Aufwand mit einem Selbstentleihsystem von den frühen Morgenstunden bis in den Abend ausgeweitet werden. Angedacht ist eine Öffnungszeit von 7 bis 22 Uhr. „Man trägt den Lebensgewohnheiten Rechnung und entlastet das Personal von Routinearbeiten“, betont Rico Reddig.

Die Bibliotheken sollen daneben ihre Angebote in die Kindertagesstätten und Schulen tragen. Es geht aber auch um Lesekompetenz für Erwachsene. Dazu gehört, dass neben dem Zugang zu digitalen Medien die nötigen E-Reader zur Verfügung gestellt und die technischen Möglichkeiten erklärt werden.

Die Politiker im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen sind beeindruckt. „Da sind tolle Sachen dabei, aber viele Dinge werden einen erhöhten Personalbedarf mit sich bringen“, gibt Jürgen Schliekau (CDU) zu bedenken. Auch könne es eng werden, wenn ein Mehrzweckbereich geschaffen werden soll. Ulf Schmidt (CDU) warnt, keine Konkurrenz zu bestehenden Einrichtungen wie dem Mehrgenerationenhaus zu schaffen. „Es sollten die Medien im Mittelpunkt stehen.“ Das Konzept wird nun in den Fraktionen beraten.

Am Ende helfe es manchmal, anders zu messen, macht Gesa Schüler-Köppen deutlich. „Wir sollten den Erfolg der Bibliotheken nicht an den Ausleihzahlen, sondern an den Besuchern und Aufenthaltszeiten messen.“

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