Blick hinter die Kulissen

Jan Brötzmann zeigt die Räume, die das Publikum im Bevenser Kurhaus nicht sieht

Jan Brötzmann mit einem Strahler.
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Jan Brötzmann, technischer Leiter im Bevenser Kurhaus, gibt Interessierten die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen des Veranstaltungshauses zu werfen.
  • Gerhard Sternitzke
    VonGerhard Sternitzke
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Der Vorhang geht auf. Die Scheinwerfer tauchen den Gast des Abends in einen Lichtkegel. Das Publikum applaudiert erwartungsvoll. Was die Zuschauer nicht sehen, ist die Arbeit der beiden Veranstaltungstechniker, die das Erlebnis erst möglich machen. Bei einer Führung gab Technikleiter Jan Brötzmann jetzt Interessierten die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen des Bevenser Kurhauses zu werfen.

Bad Bevensen – Durch ein Stuhllager geht es, dann ein halbes Treppchen hoch. Hier ist Brötzmanns Schaltzentrale. Wie aus einer Filmvorführerloge hat der 32-Jährige Bühne und Zuschauer im Blick. Von hier aus dimmt er die Beleuchtung im großen Saal und steuert mal diesen oder jenen Scheinwerfer an. Auf einem weiteren Mischpult stellt er die Lautsprecheranlage ein, schaltet das eine Mikrofon ein, das andere aus. Weil der Klang bei ihm aber nicht so ankommt wie im Publikum, geht Brötzmann manchmal in den Saal und stellt die Werte dann über das Handy ein.

Technische Schaltzentrale hinterm Kurhaus-Saal. Hier stehen die Licht- und Tonmischpulte.

Vor der Veranstaltung stellen Brötzmann und sein Kollege jeden Scheinwerfer mit einer langen Stange ein. Sie hängen kurz vor der Bühne. „Sonst würden sie an den Augen und der Nase Schatten werfen“, erklärt der Technik-leiter. Viele größere Gruppen und Theater bringen auch ihre eigene Veranstaltungstechnik mit ins Kurhaus. Der Vorhang öffnet und schließt jedenfalls auf Knopfdruck.

Vorbei geht es an Lagerräumen, wo in drangvoller Enge zwischen Stühlen, Ersatzlampen und Kabeln auch der Yamaha-Konzertflügel auf seinen nächsten Einsatz wartet. Hier, gleich neben der Laderampe, ist auch der Backstage-Bereich für die Künstler, die sich in einem Aufenthaltsraum und zwei Einzelumkleiden auf den Auftritt vorbereiten können. Ein roter Hocker, ein weißer Schminktisch, ein Schwenkspiegel – die Bad Bevensen Marketing als Betreiber des Kurhauses hat die Corona-Zwangspause genutzt, um den Aufenthaltsbereich der Sänger, Instrumentalisten und Comedians freundlich zu gestalten.

Neu gestaltete Künstler-Umkleide mit rotem Sessel, Schminktisch und Spiegeln.

„Einige Künstler haben in ihren Verträgen genau festgelegt, was sie zu essen und zu trinken haben möchten“, berichtet Brötzmann, etwa eine Käseplatte oder einen Cremant-Schaumwein. „The 12 Tenors haben immer einen Koch und gesamtes Cateringmaterial dabei. Es wird für die Künstler hinter der Bühne frisch gekocht.“ Einmal hat eine Produktion den gesamten Backstage-Bereich unter Wasser gesetzt. Besondere Künstlerallüren sind dagegen selten. „Eigentlich sind die meisten Künstler sehr pflegeleicht und freundlich“, erzählt Brötzmann.

Hinter der Bühne – nichts anderes bedeutet Backstage – ist im Bevenser Kurhaus auch vor der Bühne. Der Technikleiter öffnet zwei große Türflügel, und schon fällt der Blick auf die paarweise aufgestellten Stühle auf dem Konzertplatz. Die Künstler können wahlweise auf der Außenbühne oder in der Musikmuschel auftreten. „In jetzigen Zeiten ist das Gold wert“, sagt Brötzmann. „Auf den Konzertplatz können 170 Leute, in den Kurhaussaal nur 108.“

Unter normalen Bedingungen passen bis zu 499 Zuschauer in den großen Saal, der sogar klimatisiert ist. Die großen Lüftungsaggregate auf dem Dachboden wälzen bis zu 10 000 Kubikmeter Luft in der Stunde um, die durch Lüftungselemente in der Seitenverkleidung einströmen und auf der Bühne wieder abgesaugt werden.

Bis zu den Corona-Einschränkungen ist die Zahl der Veranstaltungen stetig gewachsen. Seit der Einweihung des Kurhauses 2016 zählte Brötzmann 730 Termine. Die Arbeit dahinter sieht der Zuschauer nicht, aber Brötzmann macht sie gerne. „Das ist mein Baby.“

• Weitere Führungen hinter die Kulissen des Bevenser Kurhaues für Groß und Klein finden jeweils Montag, 16., 23. und 30. August, um 13 Uhr statt.

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