Wo bleiben die Schweine?

Wildschweine können auch nach ihrem Tod noch richtig gefährlich werden. Ihr Fleisch darf erst nach der Trichinenschau verzehrt werden. Foto: dpa

Bad Bevensen/Landkreis. An Ermahnungen fehlte es nicht, als die Kreisjägerschaft jüngst in Bad Bevensen tagte: Der Wildschweinbestand müsse reduziert werden. Und damit wurde eine weitere Ermahnung verbunden. Jedes gestreckt Wildschwein müsse unbedingt auf Trichinen untersucht werden.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, denn auch jedes andere Schwein muss nach der Schlachtung die Trichinenschau durchlaufen. Kein einziges Stück Schweinefleisch darf ohne diese Untersuchung verkauft werden. Sogar der Eigenverzehr ist strikt untersagt. Aus gutem Grund. Trichinen sind Fadenwürmer, die gerne die Allesfresser Wildschweine als Wirte benutzen und nur dann ganz sicher abgetötet werden, wenn das Fleisch der Tiere auf mindestens 70 Grad erhitzt wird. Kein Problem bei einem Wildschweingulasch, wohl aber, wenn Teile des Schweins zu Mettwurst oder Schinken verarbeitet werden. In diesem Fall überleben die Trichinen und die leckere Wildschweinmettwurst führt bei dem, der sie isst, zur Trichinose, einer Krankheit, die sehr ernst zu nehmen ist und bei bereits geschwächten Menschen durchaus tödlich enden kann. Und wer die beiden ersten Stadien der Trichinose überlebt, hat extrem lange mit den Würmern zu kämpfen. Die verhalten sich im Körper wie Unkraut in einem frisch gejäteten Garten. Sie verkapseln sich mit einer Kalkhülle und sind dann praktisch unangreifbar.

„Leider“, so Jörg Pfeiffer, stellvertretender Leiter des Kreisveterinäramts, könne er bestätigen, dass die Abschusszahlen, die die Jägerschaft veröffentlicht, nicht so recht zur Zahl der Wildschweine passe, die in der Bevenser Außenstelle auf Trichinen untersucht werden.

Nach der Statistik der Jägerschaft sind im vergangenen Jahr 3535 Wildschweine erlegt worden. Zieht man von dieser Zahl die ausgewiesenen 102 Stück Fallwild und den Anteil von Frischlingen unter fünf Kilogramm ab, die „gleich in die Tonne kommen“, weil sie nicht zu verwerten sind, errechnet er eine Zahl von 3232 untersuchungpflichtigen Wildschweinen. Zur Trichinenschau angeliefert wurden in Bevensen jedoch nur 2934 Proben – eine Differenz also von knapp 300 Tieren.

Das müsse erst einmal noch nicht viel heißen, denn manche Jäger würden die Proben eben in Nachbarbezirken untersuchen lassen. Und die Stücke, die an den Wildhandel geliefert werden, werden dort auf Trichinen untersucht. „Einen Wildhandel haben wir seit der Schließung der Firma Nordwild in Uelzen derzeit nicht.“ Er weiß aber von Landkreisen vor allem in Süd- und Ostdeutschland, in denen bis zu 50 Prozent der Wildschweine nicht vom zuständigen Veterinär beprobt werden können. „So schlimm ist es bei uns nicht“, sagt er und sieht dabei trotzdem nicht so recht glücklich aus. An den Gebühren jedenfalls könne es im Landkreis nicht liegen, findet Pfeiffer. Die sind in der Tat vergleichsweise niedrig. Eher schon mögen die Annahmezeiten manch einen Jäger davon abhalten, die Proben zur Untersuchung zu bringen: Nur an drei Tagen der Woche ist die Anlieferung in der Zeit von 9.30 bis 11.30 Uhr möglich, kritisieren Jäger, „da müssen normale Menschen arbeiten“.

Untersuchung aber muss trotzdem sein. „Ich möchte mir keine Jagdgesellschaft vorstellen, die von einem Schwein mit Trichinen isst“, mahnt Pfeiffer nochmals alle Jäger, die Wildschweine zur Trichinenschau zu geben, auch die, die sie privat essen wollen.

Von Jürgen Köhler-Götze

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