„10forBrass“ zeigen großes Repertoire und finden auch auf lauten Instrumenten leise Töne

Blecherne, betörende Wohlklänge

Hornistin Swantje Vesper hat in einem Posaunenchor ihre musikalischen Wurzeln.

Altenmedingen. „Sie werden begeistert sein“ hieß es ahnend auf Handzetteln und Plakaten, mit gleich drei Ausrufezeichen dahinter. Eingeladen war zu einer Blechbläser-Serenade mit dem Ensemble „10forBrass“ in die Altenmedinger Kirche.

Die angekündigte Vermutung stimmte vollends. Ein grandioses Abendkonzert mit einer famosen Gruppe wurde dem begeisterten Publikum gewährt.

Eingeladen hatte der Posaunenchor Altenmedingen. Er feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen und zum Auftakt mehrerer musikalischer Veranstaltungen in diesem Jubiläumsjahr und auch als Beitrag zu „Jahr der Kirchenmusik 2012“ machte er sich, der Gemeinde und Gästen dieses „unerhörte“ Geschenk.

„10forBrass“ – hinter diesem Namen stehen zwölf Musiker, die allesamt an namhaften Musikhochschulen ihr Blechblasinstrument studieren und in bekannten Orchestern, Opern und Philharmonien mitwirken. Der Name bezieht sich auf die Zehner-Königsbesetzung, zu der es umfangreiche Literatur gibt.

Los ging es mit der Toccata aus Monteverdis „Marienvesper“. Schon da imponierte der raumfüllende Klang. Tubist Alexander Tischendorf moderierte, ließ launige Bemerkungen einfließen und gab einige Anekdoten über Komponisten zum Besten, von denen Auszüge, Stücke und Sätze gespielt wurden. Da erklangen anspruchsvolle Arrangements von Purcells Abdelazer-Suite im extrovertierten Klangbild oder Händels brillantes Bravourstück „Ankunft der Königin von Saba“.

Übrigens: der kürzeste Blechbläserwitz heißt: „Piano!“ Will wohl heißen, dass es Blechbläsern nicht gelingt, leise zu spielen. So ein Ensemble bringt es schon auf nahezu dreistellige Dezibelwerte, ohne dass es als Lärm empfunden wird. Aber „10forBrass“ schaffte es auch leise – jedenfalls im Vergleich zu den volltönigen und vollstimmigen Klängen. Etwa in Gustav Mahlers „Ich bin in der Welt abhanden gekommen“ nach einem Rückert-Lied. Die starke Bildhaftigkeit und Emotionalität kam auch „blechern“ genau zum Ausdruck.

Ansatz, Ausdauer, Höhen und Lautstärken stimmten sowieso in diesem technisch verlässlich, wandelbaren Klangkörper. Toll – so auch der zweite Teil mit einer Suite aus Derek Bourgeois‘ Auftragskomposition „William and Mary“, dem Dezimett von Enriquo Crespo für zwei Solo-Posaunen und Ensemble „Fogo da Mulato“, einer nostalgischen Samba, dem hinreißenden Libertango von Piazolla.

Am Schluss, vor zwei vom Pu blikum herbeigesehnten Zugaben fragte Altenmedingens Posaunenchorleiter Hans-Kramer das Ensemble, wer denn seine Wurzeln in einem Posaunenchor habe. Drei Finger gingen hoch, auch der von der Hornistin Swantje Vesper aus Wichmannsburg.

Von Ute Bautsch-Ludolfs

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