Bedürftig, aber scheu

Bevenser Tiertafel würde gerne noch mehr Halter mit Futter unterstützen

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Seit der Eröffnung der Tiertafel Bad Bevensen – auf dem Foto von links Birgitt Sörnsen von der AWO sowie Thorsten und Stephanie Beitsch – haben noch nicht viele Bedürftige das Angebot genutzt.

Bad Bevensen – Sie sammeln Hunde- und Katzenfutter ein, das im Geschäft aussortiert wird, um damit Tierhaltern in Not zu helfen. Seit einem Vierteljahr betreibt der Verein Tierpfotenhilfe eine Tiertafel im Bevenser AWO-Treff.

Doch bislang fanden nur wenige Bedürftige den Weg zur Tierfutterausgabe jeden vierten Mittwoch im Monat. Jetzt reagiert der Verein und verlegt die Ausgabe auf den Freitag.

Die Hemmschwelle, die Unterstützung anzunehmen, ist offenbar hoch, stellt Vorsitzender Thorsten Beitsch fest. „Es könnten sehr viel mehr Nutzer sein, aber für viele ist es schwierig, sich einzugestehen, dass sie Hilfe benötigen. Sie haben gelernt, mit dem wenigen zurechtzukommen, was sie haben“, hat der 47-jährige Eppenser festgestellt, der das Tierfutter zusammen mit seiner Frau Stephanie Beitsch ausgibt.

Das Prinzip ähnelt dem in der Tafel für bedürftige Menschen in Uelzen. Wer sich mit Futter für die nächsten Wochen eindecken will, soll seinen Bescheid über Hartz IV, Rente oder Grundsicherung vorlegen. Aber die Formalien haben aus der Sicht von Beitz keine Eile. „Man muss nicht gleich seinen Aktenordner mitbringen. Notfalls gibt es erst eine Begrüßungsration.“

In den ersten Monaten der Tiertafel hat der Beamte aus Eppensen gelernt, wie schwer das alles für die bedürftigen Tierhalter ist. „Wir bewerten nicht, aber viele sind bewertet und abgestempelt worden“, erklärt er. „Eher essen sie zwei Tage trocken Brot, als dass die Katze nichts zu essen bekommt.“

Viele, die Beitsch und seine Frau unterstützen könnten, wissen aber schlicht noch nichts von dem Angebot im zentral in Bevensen gelegenen AWO-Treff am Krummen Arm 15. Andere, die nicht direkt in Bad Bevensen wohnen, haben aber auch ein Problem, am Mittwoch überhaupt in die Kurstadt zu kommen. „Denn viele Bedürftige haben kein Auto“, weiß Beitsch. Und unter der Woche sei es oft schwer, einen Fahrer zu finden.

Zukünftig werden Schappi und Co. deshalb an jedem dritten Freitag im Monat, also zum ersten Mal am 15. Februar, ausgegeben. Thorsten und Stephanie Beitsch bauen ihren Tisch jeweils von 16 bis 17 Uhr im AWO-Treff auf.

Gleichzeitig hoffen sie auf weitere private und gewerbliche Spender. Zwei Unterstützerinnen sind bereit, Tierfutter aus den Geschäften abzuholen.

VON GERHARD STERNITZKE

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