Dorfbewohner packen selbst an

Bevenser Ortsvertrauensleute haben verschiedene Projekte angeschoben

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Gollerner Bürger pflastern im Juni in Eigenleistung einen Gehweg. Der Bevenser Bürgermeister Martin Feller spricht von einem Schub für die Dörfer.

Röbbel/Gollern – Neun Bevenser Dörfer haben seit Februar eine Stimme – die Ortsvertrauensleute.

Seitdem haben die gewählten Ansprechpartner der Dörfer, auch dank des von der Stadt zur Verfügung gestellten Budgets von jeweils bis zu 10 000 Euro, einiges auf die Beine gestellt. Während der Gollerner Dorfpavillon noch in der Planung ist (AZ berichtete), wurde das bislang größte Vorhaben in Röbbel umgesetzt. Dort haben Dorfbewohner im Juni einen fast 250 Meter langen Fußweg gepflastert, der nun besonders Kindern, Müttern mit Kinderwagen und älteren Bürgern mit Rollator zugute kommt.

„Das war eine tolle Sache“, sagt Hella Niebuhr-Rusche. „Das hat das Dorfgefüge gestärkt.“ Zwei Fachleute aus dem Dorf haben die Arbeiten an der Landesstraße 252 geleitet. Insgesamt packten an einzelnen Tagen bis zu 30 Bewohner mit an. „Was ich so schön fand: Wir waren alle Laien, aber jeder von uns hat irgendwas gefunden, was er tun konnte – ob er nun Steine gesetzt oder den Sand eingefegt hat“, hebt die Ortsvertrauensfrau hervor. Angesetzt waren für den Einsatz fünf Wochenenden, am Ende war die Motivation so groß gewesen, dass es nur zwei wurden.

Bürgermeister Martin Feller zieht deshalb eine positive Zwischenbilanz. „Ich finde, dass die Ortsvertrauensleute in den Ortsteilen einen ziemlichen Schub ausgelöst haben“, sagt der Grünen-Politiker. In vielen Dörfern seien Bänke aufgestellt und Geschwindigkeitsmesstafeln installiert worden. Die Seedorfer wollen mit dem Geld von der Stadt Reparaturen an ihrem Dorfgemeinschaftshaus durchführen. Die Gemeinschaft sei gestärkt worden.

Es gibt aber auch Kritik. Die Gollerner wollen die einmalige Chance nutzen, mit den in diesem Jahr zur Verfügung stehenden 10 000 Euro einen Dorfpavillon zu errichten, doch Ortsvertrauensfrau Barbara Fischer sieht die Zeit davonlaufen. „Ich finde, es dauert zu lange“, kritisiert die Gollernerin. Immer wieder müsse sie auf Entscheidungen der Gremien warten. Und für jede Anschaffung über 200 Euro müssten drei Angebote eingeholt werden.

Bürgermeister Feller räumt ein, dass die Ausschreibungen ein Arbeitsaufwand sind. Sie seien jedoch bei öffentlichen Anschaffungen vorgeschrieben. Letztlich habe die Stadt mit einer solchen Investition durch eine Dorfgemeinschaft auch noch keine Erfahrung. Kritikpunkte sollen bei einem Treffen mit den Ortsvertrauensleuten besprochen werden. Und Feller macht den Gollernern Mut, dass der Rat einer Übertragung der Mittel aufs nächste Jahr zustimmt.

Gollerns Ortsvertrauensfrau hatte keine Probleme mit den Formalien. Sie organisierte Genehmigungen von Stadt, Samtgemeinde, Landkreis und Landesbehörde für Straßenbau.

VON GERHARD STERNITZKE

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