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Bevenser Kneipp-Verein vor der Auflösung

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Peter Koch beim Armbad.
Der stellvertretende Vorsitzende des Bevenser Kneipp-Vereins Peter Koch (80) beim Armbad an der Sonnenfalle im Kurpark © Archivfoto: Bautsch-Ludolfs

Wellness, Gesundheit, Natur – das sind die Stärken von Bad Bevensen. Der Kneipp-Verein gehört seit 67 Jahren dazu. Im Kurpark können Gäste und Einheimische einfache Kneippsche Anwendungen in der Wassertretanlage am Ilmenauufer oder im Armbecken an der Sonnenfalle auf eigene Faust oder zweimal im Monat unter Anleitung des Vereins erproben. Dem Verein selbst geht es dagegen gar nicht gut.

Bad Bevensen – In der Jahreshauptversammlung am morgigen Freitag um 15 Uhr im Hotel Ascona steht die Selbstauflösung auf der Tagesordnung. Die Vorsitzende Antje Schröder und ihr Stellvertreter Peter Koch haben angekündigt, aus Alters- und Krankheitsgründen ihre Ämter niederzulegen. „Entsprechend kann der Verein nur weiter existieren, wenn ein neuer, funktionsfähiger Vorstand in der ietzt anstehenden Mitgliederversammlung gewählt wird“, heißt es in einem dringlichen Schreiben an die 56 Mitglieder. Und weiter: „Es wäre außerordentlich traurig, wenn nach Jahrzehnten der Kneippverein mehr oder weniger spurlos liquidiert würde.“

Mitglieder sind 70 Jahre und älter

Das Problem ist die Altersstruktur. Die Mitglieder – früher waren es einmal über 100 – sind alle 70 Jahre und älter. Auch zu den Terminen an der Wassertretstelle kommen immer weniger. Manche meiden aus Sorge vor Corona immer noch Kontakte.

Peter Koch engagiert sich seit 2015 im Kneipp-Verein, hat das Funktionstraining ins Leben gerufen. Inzwischen jedoch belastet ihn die Organisation zunehmend. Die Themenwoche zum 200. Geburtstag von Pfarrer Sebastian Kneipp war ein Höhepunkt für den Verein. Aber Stühle schleppen und Tische aufbauen ist nicht mehr das Richtige, wenn man 80 ist und stark unter Rheuma leidet. „Man kann doch nicht den Heldentod für den Verein sterben“, drückt es Koch drastisch aus.

Dabei ist die Lehre von Kneipp aktueller denn je. „Im Grunde hat Kneipp alles schon erkannt“, sagt Koch. „Beim Kneippen kann man mit einfachen Mitteln viel erreichen. Kneipp ist kostenlos, man kann es in der Dusche zu Hause machen.“ Wechselgüsse, Wassertreten oder Kräuter arbeiten mit den Mitteln der Natur, fördern die Durchblutung, lindern Schmerzen, stärken das Immunsystem und sind in der Regel ohne Nebenwirkungen. „Und in der Gemeinschaft geht das leichter“, betont Koch.

Chancen für den Tourismus

Vor der Entdeckung der Jod-Sole-Quellen firmierte Bevensen als Kneipp-Kurort. „Daraus lässt sich viel mehr machen“, findet Koch. So wünscht sich der stellvertretende Vorsitzende ein überdachtes Wassertretbecken im Kurpark, das die Nutzer unabhängig vom Wetter macht. Nicht jeder traue sich in die Ilmenau, und die Anlage sei im Winter glitschig. Auch für eine größere Barfuß-Strecke und Kräuterbeete macht sich der Kneipp-Verein stark. Die Investitionen würden sich angesichts der Wiedereinführung von Badekuren als Kassenleistung auch lohnen. Mit einer geschulten Mitarbeiterin ließen sich neue Angebote für Gäste schneidern.

Doch darum kümmern müssen sich künftig Jüngere, stellt er klar. Wenn die sich nicht finden, ist Schluss. Peter Koch: „Mir persönlich tut es richtig weh.“

• Info: www.kneippverein-bad-bevensen.de

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