TV-Kabarettist Alfons zu Gast im Kurhaus

Den Bad Bevenser Humor untersucht

Comedian Alfons im Bad Bevenser Kurhaus.
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Comedian Alfons im Bad Bevenser Kurhaus.

ap Bad Bevensen. Wer schön sein will, muss leiden, heißt es im Volksmund. Er kann auch zu diversen Kosmetikartikeln greifen, rät die Industrie, oder aber – davon ist Reporter Alfons überzeugt – „versuchen, zu werden, wer man ist.“

Da steht dieser Mann, der sich Alfons nennt, doch eigentlich Emmanuel Peterfalvi heißt, mit schütterem Haar, orangefarbener Trainingsjacke und Schlafzimmerblick auf Bad Bevensens Kurhausbühne, um – so legt es der Programmtitel nahe – seinen Gästen etwas von Schönheit zu erzählen, und staunt erst einmal nicht schlecht, als er vor dem vollen Saal in der vermeintlichen „Provinz“ steht: „Ich hätte nie gedacht, dass in Bad Bevensen so viele Einwohner sind“, ulkt er mit seinem typisch französischen Akzent, der ihn als TV-Kabarettist bekannt gemacht hat.

Doch was diese erwartet, ist weniger eine Stilberatung als eine Reise in Alfons’ Kindheit und eine Untersuchung des Bad Bevenser Humors. Der Witz mit dem Pariser in seiner Gummivariante etwa? „Für Bad Bevensen ausreichend“, notiert der 50-Jährige mit süffisantem Grinsen. Zum Interview zwingen will er ausnahmsweise niemanden, lieber über den politischen Rechtsruck reden, schöne Frauen, Fahrkartenautomaten, Nietzsche und das dörfliche Leben in der Provence.

Das hatte er mit neun Jahren unfreiwillig kennengelernt. Daher natürlich auch den „Arschvernichter“, also den Beifahrersitz auf dem Traktor, dessen Besitzer wiederum Alfons das tiefsinnige Geheimnis seiner Schönheit zu verdanken hat – und fast auch noch einen eigenen Bauernhof. „Aber es kam mir etwas dazwischen: das Leben“, erklärt Alfons, blickt sich um, denkt kurz nach und kritzelt wieder etwas in sein Heft: „ Für Bad Bevensen zu philosophisch.“

Immer wieder verläuft sich der Comedian in Anekdoten: Wie er vom Topf-Haarschnitt zu den Zigaretten kam („Meine Mitschüler nannten mich nicht mehr Mireille Mathieu. Die sagten: Oh, da ist Helmut Schmidt“), wie er in Deutschland Interviews zum Thema Erotik durchführte („Was ist das Schärfste, was ihnen ihre Frau bisher präsentiert hat?“ Antwort: „Chili con Carne“), wie wichtig der Erhalt der deutsch-französischen Freundschaft sei (Frankreich bemühe sich stets um Abwechslung bei der Präsidentschaft, „aber ihr schickt immer die Gleiche“).

Kein Zweifel: Alfons nahm die frühe Erkenntnis zur Schönheit ernst und wurde, was er heute ist: Geschichtenerzähler. Einer, der seine Storys gerne auch mit der Kamera festhält. Seinen Film zur Schützenkultur schenkte er der Kurstadt sogar zum Abschied. Es mag hinterher einen weiteren Eintrag dazu in Alfons’ Unterlagen gegeben haben: „Geschenk kam in Bad Bevensen gut an.“

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