Gewerblich oder nicht?

Bevenser Antik- & Trödelmeile vor dem Aus

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Seit zehn Jahren gehörte die Bevenser Antik- und Trödelmeile zum vertrauten Bild an jedem vierten Sonntag im Monat. Jetzt achten die Behörden genauer auf die Regeln. Das ist das Aus der Veranstaltung.

Bad Bevensen – Einmal im Monat war die Bevenser Innenstadt in den vergangenen Jahren Kulisse der Antik- und Trödelmeile. Jetzt achten die Behörden genauer auf die Regeln. Die beliebte Veranstaltung fällt deshalb aus.

Alter Nippes, betagte Bücher, Schallplatten auf fliegenden Tischen, in der Lüneburger Straße aufgebaut: Seit zehn Jahren herrscht im Sommerhalbjahr jeden Monat ein Markttreiben in der westlichen Bevenser Innenstadt. Auch die Gewerbetreibenden profitieren an diesen Sonntagen von den Besuchern in der Fußgängerzone, die in den Lokalen einkehren oder Geschäfte aufsuchen. Damit ist jetzt überraschend Schluss. Die Firma Siko-Flohmärkte hat die Antik- und Trödelmeile abgesagt. Die Stadt habe die Veranstaltung nicht genehmigt.

„Das war ‘ne bittere Pille für uns, muss ich sagen“, erzählt Siko-Inhaber Jochen Siegel aus Molbath. Er habe einen erheblichen Ausfall. Rund 100 Auflagen der beliebten Veranstaltung hat er in den zehn Jahren organisiert. „Mir liegt daran.“ Von Jahr zu Jahr sei der Markt geduldet worden. Dass die Antik- und Trödelmeile nun nicht mehr möglich sein soll, kann der 62-Jährige nicht verstehen. Im Nachbarlandkreis Lüchow-Dannenberg würden Trödelmärkte an Sonntagen weiterhin durchgeführt.

Bad Bevensen Marketing-Chef Gerhard Kreutz hatte Siegel nach eigenen Angaben in einem Gespräch darauf hingewiesen, dass nur vier gewerbliche Sonntagsveranstaltungen zulässig seien. Deswegen habe man die monatliche Landart ausgedünnt.

Gewerblich sei seine Trödelmeile nicht, beharrt Siegel. Durchschnittlich 50 Stände wurden aufgebaut. „Wir haben bei der Trödelmeile keine Gewerblichen, nur Private“, betont er. „Das sind Hobbyanbieter.“

„Der Veranstalter der gewerblichen Antik- und Trödelmeile hat keinen Antrag gestellt, obwohl er in einem Gespräch am 27. März von der Bad Bevensen Marketing auf das Antragserfordernis hingewiesen wurde“, stellt Jörn Nolting, Pressesprecher der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf, klar. „Ohne Antrag kann über die Genehmigungsfähigkeit nicht entschieden werden und auch keine Information erfolgen.“ Für die Genehmigung gewerblicher Märkte sei der Kreis zuständig, für die Nutzung des öffentlichen Raums werde eine Sondernutzungserlaubnis der Stadt benötigt.

Der Anstoß, genauer auf die Regeln zu sehen, sei vom Landkreis ausgegangen. Daraufhin habe man alternative und kreative Lösungen gefunden. „Eine weitere Alternative wäre auch, die Antik- und Trödelmeile an einem Sonnabend stattfinden zu lassen“, schlägt Nolting vor. Darauf lässt sich Siegel nicht ein. „Natürlich könnte man das machen, aber dann hätte man nicht die gleiche Wirkung. Am Sonnabend machen die Leute den Einkauf und mähen den Rasen.“

Das Aus für die Trödelmeile verstärkt einen Trend, der die Flohmärkte insgesamt schwächt, wie Siegel berichtet. „Die Flohmärkte sind nicht mehr das, was sie mal waren. Die Jugend wächst nicht mehr nach.“ Überhaupt glaubt er: „Wir haben nicht die geeignete Lobby.“

VON GERHARD STERNITZKE

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