Neues Projekt für bessere Früherkennung von Herzschwäche / Sieben-Millionen-Euro-Förderung

Bad Bevensen: Mobiles MRT für den ländlichen Raum

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Magnetresonanztomographie (MRT) soll künftig auch mobil möglich werden, und zwar dort, wo die Geräte in Praxen oder Kliniken nicht vorhanden sind. Ziel dieses Projektes ist eine bessere Früherkennung von Herzschwäche. 

Bad Bevensen – Herzinsuffizienz ist tödlicher als alle Krebsarten und heute die häufigste Diagnose bei Entlassungen aus deutschen Krankenhäusern.

Vielfach ermöglicht die magnetresonanztomografische (MRT-)Untersuchung des Herzens das frühzeitige Erkennen der Herzschwäche und damit auch eine bessere Therapie. Doch im ländlichen Raum fehlt es an modernen Geräten und spezialisierten Ärzteteams. Hier setzt das Projekt „Herz-Check“ an, das jetzt vom Herz- und Gefäßzentrum (HGZ) Bad Bevensen, dem Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB), der AOK Nordost und der Medneo Deutschland GmbH auf den Weg gebracht wird. Dieses Konzept zur Früherkennung von Herzschwäche mithilfe mobiler MRT-Einheiten und der Telemedizin wird mit mehr als sieben Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert.

„Eine frühzeitige und vor allem präzise Diagnostik senkt nicht nur Kosten im Verlauf der Behandlung, sondern sorgt vor allem für den Erhalt der Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit von Patienten“, betont Professor Bjoern Andrew Remppis, Chefarzt der Klinik für Kardiologie am HGZ und Mitentwickler des „Herz-Check“-Projekts.

Untersuchungen wie in einer Klinik

Für seine Spezialisierung auf den Zusammenhang von Erkrankungen des Herzens, der Lunge und der Nieren – also den kardio-pulmo-renalen Ansatz – ist der Chef-Kardiologe des HGZ bereits bundesweit bekannt. Aus diesem Grund hatten die MRT-Spezialisten des Herzzentrums der Charité in Berlin Kontakt zu Remppis aufgenommen und gemeinsam mit ihm das Vorhaben entwickelt. „Das HGZ wird in dem Projekt als telemedizinisches Therapiezentrum fungieren, die Berliner Diagnostik-Spezialisten von Medneo werden das bildgebende Zentrum sein, und das Herzzentrum hat die gesamte medizinische Leitung“, so Remppis.

Das „Herz-Check“-Projekt sieht vor, mobile MRT-Einheiten dorthin zu bringen, wo sie in Praxen oder Kliniken nicht vorhanden sind. Das Berliner Unternehmen Medneo verfügt über spezielle „MRT-Mobile“, umgebaute Lkw, die den Patienten eine MRT-Untersuchung wie in einer Klinik ermöglichen. Auch die Bestimmung der Blutwerte ist möglich. Zunächst sollen Versicherte der AOK Nordost sowie niedergelassene Haus- und Fachärzte in der Region über die Möglichkeit und die Vorteile der Früherkennung von asymptomatischer Herzinsuffizienz informiert werden.

Die Idee: Über eine Website können Hausärzte das Risiko einer unentdeckten Herzinsuffizienz für ihre Patienten anhand etablierter Bewertungsverfahren ganz unkompliziert festlegen. Die Patienten können dies auch selbst tun. Stellen Hausarzt oder Patient ein erhöhtes Risiko fest, können sie online einen Termin für eine mobile MRT-Untersuchung in der Nähe des Wohnorts vereinbaren.

Die mobilen MRT-Einheiten können an regionalen Kliniken oder ambulanten Einrichtungen wie Ärztehäusern aufgestellt werden. Vor Ort befindet sich dann medizintechnisches Personal, das die MRT-Untersuchung sicher und zuverlässig durchführen kann. Sie dauert nur etwa zehn Minuten. Ein Facharzt muss nicht anwesend sein, denn die Daten werden unter Beachtung aller Datenschutz-Vorgaben online an ein „telemedizinisches Expertenzentrum“ übermittelt und dort durch ein geschultes Fachärzteteam ausgewertet.

Projektstart im Herbst 2020

Ergeben MRT- und Laborbefund Handlungsbedarf, werden die Patienten je nach Schweregrad des Befundes in vordefinierte Behandlungspfade eingeteilt. Gemeinsam mit den behandelnden Ärzten vor Ort werden die notwendigen weiteren ambulanten oder stationären Maß-nahmen der Therapie festgelegt. Das Team des Expertenzentrums steht über die gesamte Behandlungsdauer als Ansprechpartner für die Ärzte vor Ort zur Verfügung.

Im Herbst 2020 sollen die ersten Patienten untersucht werden können.

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